Forst Kronen Speciale

Auch südlich des Alpenhauptkamms wird Bier gebraut. Das wollen einige Bayern vielleicht nicht wahrhaben, ist aber so. Im kleinen Ort Forst in Südtirol werden gleich eine ganze Reihe von Bieren durch die Brauerei Forst hergestellt. Eines davon ist das Kronen Speciale. Mit 5,2% Alkoholgehalt dürfte dieses helle Lagerbier zu den Vollbieren gehören, auch wenn Angaben zum Stammwürzegehalt sowohl auf Etikett wie Homepage fehlen. Wir haben mal reingeschmeckt, ob das Forst eher nach Wald oder Wiese schmeckt!

ForstSpeciale1

Farbe
Leicht und lässig empfängt einen der Duft dieses hellen Lagerbieres. Klar filtriert und mit einer stattlichen Krone sticht es ins Auge. Doch – was ist das? Schon ist die Krone wieder weg. Also kein König unter den Bieren? Und ist das Bier nicht auch etwas schwach in der Farbe? Nunja, es sollen ja vor allem die inneren Werte – aber das Auge trinkt mit.

Einstieg
Schwerer und herber als erwartet steigt man mit diesem Bier ein. Der Geschmack breitet sich vor allem hinten unter der Zunge aus und erinnert im ersten Moment fast an ein Bier dunkleren Charakters. Man muss das Bier schon etwas im Mund herumwirbeln, damit sich wirklich alle Geschmacksnoten verbreiten. Von selber passiert hier leider nicht viel…

ForstSpeciale3

Körper und Geschmack
Der recht kräftige Auftritt dieses Bieres bleibt bestehen. Das Speciale liegt recht schwer im Mund und die angenehmen Hopfennoten bilden sich nur sehr langsam aus, schade eigentlich. Ein recht schnörkelloses Bier, dass auch im weiteren Trinkverlauf nicht zu Höhenflügen ansetzt.

Abgang
Was bleibt von einem Bier, das bisher nicht so recht überzeugen konnte? Sagen wir es erstmal so: nichts negatives. Schmeckt man genau hin, dann verbleibt sogar eine recht angenehme und leicht fruchtige Note nach dem letzten Schluck, jedoch muss man hier schon sehr genau hinschmecken.

Kohlensäure
Hier hätte schon etwas mehr sein dürfen. Das Bier kommt so leider nicht so richtig auf Touren, was der Gesamtentwicklung des Körpers nicht zu Gute kommt. Ob hier eine Nachbesserung das Bier massiv verbessern würde, darf aber dahingestellt sein.

Süffigkeit
Wenig Kohlensäure und ein lascher Charakter stehen für eine gute Süffigkeit. Diesem steht allerdings die Schwere des Bieres gegenüber. Insgesamt also irgendwo im Mittelfeld.

Fazit
Ein Bier, dass man nach der Verkostung schnell vergisst. Wenn man es nicht getrunken hat, dann hat man auch nichts verpasst. Trinkt man es doch, dann ist es auch okay.

ForstSpeciale2

zur Brauerei
In Südtirol ist es wunderschön. Und zwischen den Weinbergen befindet sich auch die 1857 gegründete Brauerei Forst, die seit 1863 ununterbrochen von der Familie Fuchs, inzwischen in 4. Generation, geführt wird. Ganz unverblümt lautete schon in den 1920er Jahren der Werbespruch: „Forster Bier ist das Beste!“ Und auch heute gibt sich die Brauerei mit einem Angebot von Pils bis Starkbier alle Mühe, diesem Slogan gerecht zu werden.

Baltika 9 Extra

Hat russisches Bier eigentlich einen höheren Alkoholgehalt, damit es bei den sibirischen Temperaturen nicht so schnell einfriert? Auf diese Idee könnte man bei diesem Lagerbier aus dem Hause Baltika schon kommen. Aus einem Stammwürzegehalt von satten 16 °P entstehen 8,0 Volumenprozent Alkohol. Ob es wie Frostmittel schmeckt, haben wir mal getestet.

Baltika9Extra2

Farbe
Sehr mild strömt der Duft des Bieres aus der Flasche und man wird gleich ein wenig enttäuscht, hatte man sich doch bei einem so starken Bier mehr erwartet. Die Farbe ist dann aber doch intensiv und klar; der Schaum dazu feinporig. Die Bläschen der Kohlensäure blubbern verhalten vom Boden herauf – ein schöner Anblick.

Einstieg
Der erste Schluck im Mund und dann erstmal nichts. Die Aromen brauchen einen kurzen Moment, bis sie ihren Geschmack entfalten. Während im ersten Antrunk noch leicht fruchtige Elemente vorhanden sind, brechen sich schnell die 8,0% Alkohol Bahn. Es kribbelt etwas in der Nase, wie bei einem Schnaps.

Baltika9Extra1Körper und Geschmack
Das Baltika 9 Lager hat einen recht hageren Körper, was gerade bei diesem hohen Stammwürze- und Alkoholgehalt verwundern lässt. Beim Geschmack wundert einen dann nichts mehr, denn hier bahnt sich der Alkohol seinen Weg. Gerade hinten raus hat das Bier leichte Wodka-Allüren – und schmeckt auch wie einer. Von biertypischen Aromen kann nicht viel die Rede sein.

Baltika9Extra-üAbgang
Gerade im Abgang dominiert das Wodka-Gefühl. Im Nachgeschmack bleiben Bitterstoffe und der Hauch von viel Alkohol. Hier ist dieser russische Vertreter der harten Lagerbiere kaum mit einem anderen Bier zu vergleichen (zumindest soweit, wie wir bisher getrunken haben). Was bleibt ist in jedem Fall ein wohlig-warmiges Gefühl im Schlund.

Kohlensäure
Gemessen an den vielen Bläschen, die gerade anfangs im Glas aufstiegen, lässt sich die Kohlensäure als sehr verhalten beschreiben. Aber was hat Kohlensäure auch im Wodka zu suchen?

Baltika9Extra3Süffigkeit
Zwar befödert die geringe Kohlensäure das Trinken, jedoch steht diesem der atypische Geschmack mit seinen Wodka-Noten und dem hohen Alkoholgehalt entgegen. Wo landen wir da? Genau, in der Mitte.

Fazit
Wieder mal so ein Bier, dass eine Brücke baut. Vielleicht kommen sich so die Lager der Wodka- und der Bierfanatiker etwas näher, wer weiß. Es ist in jedem Fall nachvollziehbar, dass dieses Bier in Russland gut ankommt und man sollte es vielleicht auch mal probiert haben, um diese Verquickung von zwei unterschiedlichen Alkoholika erlebt zu haben.

zur Brauerei
Die Brauereigruppe Baltika wurde in den Transformationsjahren der Sowjetunion im damaligen Leningrad, dem heutigen Sankt Petersburg, gegründet. Sie ist heute die größte Brauereigruppe der Russischen Föderation und gehört Carlsberg Gruppe rund um die gleichnamige dänische Brauerei. Sie produziert eine große Vielzahl von verschiedenen Bieren – von Porter bis Weizen und zurück – und ergänzt das Sortiment um viele saisonale Angebote. Neben eigenen Labels braut Baltika auch in Lizenz die Marken Carlsberg und Tuborg.

Braumanufaktur Hell

Potsdam wird oft als der kleine, brandenburgische Anhang von Berlin gesehen. So stehen auch Potsdamer Biere im Schatten von Berliner Kindl oder Schultheiss. Aber ist das mit Recht so? Um das herauszufinden, haben wir einmal aus der Potsdamer Braumanufaktur das Helle probiert. Es handelt sich dabei um ein Vollbier mit 11,8°P Stammwürze und 4,5% Alkoholgehalt, womit es bei beiden Werten recht leicht daherkommt. Hier die ganze Rezension!

BraumanuHell-ü

Farbe
Ursprünglich und naturbelassen. So erwartet man das Bier, nachdem man das Etikett studiert hat und so präsentiert es sich auch im Glas. Naturtrüb und mit herrlicher Schaumkrone, die einiges an Beständigkeit aufweist. Die erste Geruchsnote ist dabei recht hopfenlastig, wobei dies für ein „Helles“ recht ungewöhnlich ist.

Einstieg
Der Einstieg ist angenehm. Man wird nicht von Aromen übermannt, dennoch breitet sich schon bald eine wohlige Geschmacksatmosphäre aus. Nach und nach breiten sich auch einige bitterere Nuancen heraus, die den Gesamteindruck jedoch eher bereichern, als eintrüben.

BraumanuHell2Körper und Geschmack
Der Körper ist von einiger Fülle, wobei er sich bei jedem Schluck erst aufbauen muss, um sein gesamtes Geschmacksrepertoire zu entfalten. Fruchtig intensive Hopfenaromen mit einer malzigen Grundnote und einem angenehm bitteren Nachgeschmack bilden insgesamt eine runde Sache. Beeindruckend für ein Bier mit weniger als 12 °P Stammwürze. Insgesamt bietet das Helle aus Potsdam einen feinen Geschmacksbogen, sodass zu jedem Zeitpunkt ein Geschmackserlebnis bestehen bleibt.

Abgang
Hinten raus entwickelt sich eine angenehm bittere Note, der von Schluck zu Schluck intensiver wird. Auch hier zeigt das Biobier gute Qualitäten. Die angesprochene Geschmacksnote wird dabei zu keinem Zeitpunkt aufdringlich, sondern verhält sich sehr dezent, was das Biererlebnis gut abrundet.

BraumanuHell1Kohlensäure
Nicht extra sprudelig, sondern sehr verhalten kommt dieses Bier daher. Mit mehr Kohlensäure würden die fein herausgearbeiteten Nuancen des Geschmacks durch das Beißen der Säure überlagert. Dies bleibt hier zum Glück aus.

Süffigkeit
Durch den niedrigen Kohlensäuregehalt und den vergleichsweise niedrigen Alkoholgehalt ist dieses Bier als recht süffig einzustufen, wie es bei „Hellem“ nicht unüblich ist.BraumanuHell3

Fazit
Dieses Vollbier ist mehr als nur schmackhaft. Ob das an den Bio-Zutaten liegt, vermag ich nicht zu sagen. Schaden tut es wahrscheinlich nicht. Vielfältige Geschmacksaromen und ein fein ausgewogener Bogen machen dieses Potsdamer Bier zu einem feinen Getränk.

zur Brauerei
Die Braumanufaktur Potsdam im Forsthaus Templin braut seit 2003 traditionell handwerkliches Bier – und das mit Zutaten aus kontrolliert biologischem Anbau. Die Geschichte des Forthauses ist hierbei um einiges länger und reicht bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück. Heute werden vom Hellen über Bockbier bis zu Weizen und Dunkelbier eine Vielzahl verschiedener Biere produziert. Zu den ganzjährig erhältlichen Hopfensäften kommen noch saisonale Brauerzeugnisse und der Bierbrand. Wer etwas länger Zeit hat, als nur für ein Bier, kann man auch an einem mehrtägigen Brauseminar teilnehmen.

Pilgrim – Triple Blonde

Aus der Reihe „Bière d’Abbaye“, also ‚Bier der Abtei‘, ist das Triple Blonde eines von sechs Protagonisten der Brauerei Kloster Fischingen aus der Schweiz. Mit 10,5% Alkoholgehalt ein richtig dicker Brocken. Es besticht direkt durch den Sektkorken-Verschluss, sodass die Spannung auf den Geschmack ins unermessliche steigt. Was soll man erwarten von einem Bier, das mit der warmen Vergärung von Kandiszucker beworben wird?

TripleBlonde-1

Farbe
Ein gewaltiger „Plopp“ und der Sektkorken verabschiedet sich. Es entweicht ein Geruch, der zuerst mehr an Schaumwein als an Bier erinnert. Und auch die Flüssigkeit deutet zunächst nicht übermässig auf einen Hopfentee hin. Es sprudelt mächtig und der Schaum lässt kaum einen genaueren Blick zu. Legt sich schließlich die erst Sprudelei, dann erblickt man ein recht eingetrübtes, helles Bier, gekrönt von beständig feinporigem Schaum. Dazu diese fruchtige Duftnote – herrlich!

Einstieg
Etwas beißend macht sich dieses Sektbier im Mund breit. Die massive Kohlensäure sorgt für eine explosive Ausbreitung, gleichfalls jedoch auch für einen etwas beißenden Eindruck. Hinzu kommt ein Eindruck, der von einem recht intensiven Alkoholgeschmack zeugt.

Körper und Geschmack
Nach dem etwas problematischen Einstieg, möchte sich auch bei der genaueren Betrachtung des Körpers und des Geschmacks keine wirkliche Entspannung einstellen. Zwar setzen sich mit der Zeit auch fruchtigere Aromen durch, die sich vor allem am Gaumen festheften, aber das reicht nicht aus, um ein wirkliches Bier-Gefühl aufkommen zu lassen. Vielleicht soll das aber auch gar nicht so sein. Wer ein klassisches Bier erwartet, wird diesen Körper sicher als wenig ausgewogen empfinden.

TripleBlonde-2Abgang
Bei 10,5% Alkoholgehalt wird es schon etwas wärmer im Hals. Leider verfliegt der recht alkoholhaltige Geschmack auch im Abgang nicht und auch die Kohlensäure bleibt recht beißend. Beachtlich jedoch der Nachgeschmack, bei dem sich schließlich doch noch fruchtige Aromen durchsetzen können.

Kohlensäure
Von der Kohlensäure gibt es wirklich mehr als genug. Für ein Bier eigentlich viel zu viel. Für ein Sektbier, wie ich dieses bezeichnen würde, ist es aber wohl ganz richtig so. Es sprudelt und sprudelt und sprudelt und sprudelt….

Süffigkeit
Für die Süffigkeit gibt es keine Bestnote. Dafür ist die Kohlensäure zu dominant und der Alkoholgeschmack zu präsent. Das gilt zumindest für die Perspektive eines Biertrinkers. Für Sektfreunde mag das natürlich ganz anders bewertet werden!

TripleBlonde-ü

Fazit
In jedem Fall eine sehr spannende Komposition aus der Schweizer Brauerei. Liebhaber des klassischen Biergeschmacks, werden mit diesem Bier jedoch nicht unbedingt glücklich werden. Stattdessen schlägt dieses Bier die Brücke zu den Schaumweinen – eine sehr interessante Position. So lassen sich vielleicht wechselseitig ganz neue Geschmackswelten erschließen.

zur Brauerei
Das Kloster sehr alt, die Brauerei noch recht jung. So trifft es kurz zusammengefasst beim Kloster Fischingen zu. Das Benediktinerkloster wurde bereits 1138 gegründet, die Brauerei folgte erst im Jahr 2014. Der Markenname „Pilgrim“ soll an die vielen Pilger erinnern, die in den vergangenen Jahrhunderten zum Kloster Fischingen pilgerten. Die Brauerei hat sich auf hochklassige Biere spezialisiert und bedient mit diesen auch ein eher höheres Preissegment. Nichts für jeden Tag, aber ein Muss für Biergenießer!

Klute’s Hell

Eine stattliche Bügelflasche mit einem ganzen Liter Inhalt. Da strahlen die Augen schon, bevor man auch nur den Duft des Bieres kennt. Das Etikett, das mit einem Bildausschnitt das historische Sudwerk der Brauerei abbildet, verrät, dass dieser als Landbier bezeichnete Vertreter der hellen Lagerbiere mit 4,8% Alkoholgehalt daherkommt. Viel mehr Infos gibt es auf den ersten Blick nicht und leider auch nicht auf der Internetseite der Brauerei. Da hilft nur eins: wir testen!khell3

Farbe
Unfiltriert trüb sprudelt dieses Landbier ins Glas hinein. Einen Moment fragt man sich, ob es wirklich ein helles Bier ist, aber der zweite Blick schafft Gewissheit: wir haben uns nicht in der Flasche vergriffen und die Brauerei hat sich auch nicht in der Abfüllung geirrt. Während uns diese Gedanken durch den Kopf schwirrten, hat sich der Schaum leider schon verabschiedet. Schade eigentlich, aber hauptsächlich geht’s ja auch ums Bier.

Einstieg
Der erste Duft lässt außer einer angenehmen Frische nicht viel erahnen. Der erste Schluck zaubert einem dann aber sogleich ein breites Grinsen ins Gesicht! Unheimlich fruchtig und mit vielfältigen Geschmacksnuancen veranstaltet dieses Bier direkt zu Beginn ein kleines Geschmacksfeuerwerk. Auf die fruchtigen Aromen folgt alsbald ein angenehm hellröstiger Getreidegeschmack mit angenehmer Hopfennote. Auf den Punkt komponiert!

khell1Körper und Geschmack
Nicht ganz leicht kommt das Helle von Klute daher, was wohl an der unfiltrierten Brauart liegen mag. Hierzu konträr und somit ausgleichend bewegt sich der fruchtig-leichte Geschmack, der das Bier als einen optimalen Begleiter für laue Sommerabende ausweist. Besonderes Highlight ist der bereits angesprochene angenehme Getreidegeschmack, der sich vor allem im vorderen Mundbereich ausbreitet.

Abgang
Keine störenden Nachgeschmäcke, keine unangenehme Bitterkeit. Das einzige, was von diesem Landbier bleibt, ist eine leckere Hopfennote und die schwärmenden Gedanken von der fruchtigen Frische, die man eben noch vollmundig geschmeckt hat.

Kohlensäure
An Kohlensäure wurde bei diesem Brauerzeugnis ziemlich gespart. Das tut dem Biergenuss zwar keinen Abbruch, aber ein bisschen mehr hätte es dann schon sein dürfen.

khell2Süffigkeit
Dass dieses Landbier in 1-Liter-Flaschen verkauft wird, zeigt schon, dass die Brauerei von einer guten Süffigkeit ausgeht. Wir nicken dazu einfach nur. Dank des verhältnismäßig geringen Alkoholgehalt von 4,8% liegt man auch nicht sofort überm Zaun.

Fazit
Traumhaft! Ein Bier, das mit etwas mehr Kohlensäure in jedem Bier-Lehrbuch stehen sollte. Wie gemacht für den Sommer und alle anderen Jahreszeiten. Auch für Weizen-Fans einen Versuch wert, da das unfiltrierte Bier mit seinem fruchtigen Geschmack durchaus auch an diese Kategorie andocken kann. Chapeu, sagen wir, chapeau!

 

zur Brauerei
Das Brauhaus Klute beruft sich auf eine lange Tradition, basierend auf dem Sudwerk eines Kameliterklosters aus dem Jahr 1352. Mit diesem Kulturgut der Brauereigeschichte zählt sich das Brauhaus auch als fünftälteste Brauerei Deutschlands. Örtlich hat sich allerdings einiges geändert. Das historische Brauhaus der Kameliter befindet sich in Bad Neustadt an der Saale, während der aktuelle Hauptsitz der Firma heute in Havixbeck bei Münster liegt. Hergestellt wird Landbier in heller und dunkler Ausführung.

Andechser Bergbock Hell

Wo dieses Bockbier herkommt, zeigt schon das schöne Etikett. Es stammt vom Kloster Andechs, das, wie auf dem malerischen Bild zu erkennen, auf seinem Klosterberg in Oberbayern unweit des Ammersees thront. Mit seinen 6,9% Alkoholgehalt, die aus einem Stammwürzegehalt von 16,5°P stammen, kommt das Bier zünftig daher. Haben sich die Benediktinermönche da etwas ganz besonderes zusammengebraut?abergbock1

Farbe
Der erste Duft, der einem nach dem Öffnen der Flasche entgegensteigt, erinnert an eine Bäckerei – oder besser gesagt an frisch gebackenes Brot. Hier merkt man deutlich, wie dicht Bäcker- und Brauhandwerk miteinander verbunden sind. Die Farbe ist kräftig golden und sauber filtriert. Der Schaum schön perlig, aber leider nicht von besonders guter Konsistenz.

Einstieg
Sehr prägnant bahnt sich dieses Bockbier seinen Weg. Süß-malzig dockt dieses Helle besonders im oberen Mundbereich an. Schon nach dem ersten Schluck machen sich auch gleich bittere Aromen breit, die bei einem Bockbier natürlich nicht fehlen dürfen.

abergbock2Körper und Geschmack
Mächtig wie ein Berg und somit seinem Namen alle Ehre machend trumpft der Bergbock auf. Je größer der Schluck, desto besser kann man auch die feinen Hopfennoten herausschmecken, bevor wieder über einen süßen Schlenker die bitteren Noten die Dominanz erlangen. Der Körper entwickelt sich also bei jedem Schluck neu, wobei die Schluckgröße zu beachten ist.

Abgang
Der Abgang und der Nachgeschmack wird leider nur durch die bitteren Noten dominiert. Es fehlt der Pfiff, der nochmal Schwung in die Sache bringt. Auch die Kohlensäure verpufft leider vorschnell… Schade!

Kohlensäure
Am Anfang scheint es noch so, als würde es nur so schäumen vor lauter feiner Kohlensäure, die das Bier dahin bringt, wo sie hingehört: In jede Ecke des Mundes. Was dies angeht, wird man leider enttäuscht. Der Schaum ist wie eingangs beschrieben von nicht sehr ausdauernder Konsistenz und auch beim weiteren Trinkgenuss dürfte es gern mal ein bisschen spritziger sein.

Süffigkeit
Bei der Süffigkeit kann das Bockbier aus Andechs gerade wegen des geringen Kohlensäuregehalts punkten. Locker fließt es der Leber entgegen. Nur der recht bittere Nachgeschmack macht der Süffigkeit einen kleinen Strich durch die Rechnung. Bei dem Alkoholgehalt aber vielleicht auch gar nicht so schlecht.

Fazit
Ein solides Bockbier mit Tradition, das jedoch in manchen Bereichen Abstriche macht. Am besten schmeckt dieses Bier sicherlich mit dem Ausblick vom Andechser Klosterbier. Da kann man auch gleich die weiteren Bierspezialitäten probieren, die in diesem oberbayerischen Biermekka produziert werden.

abergbock3

zur Brauerei
Die Geschichte der Klosterbrauerei Andechs reicht bis zur Gründung des Klosters im Jahr 1455 zurück. Seitdem wurden die Rezepturen stets fortgeschrieben und angepasst. Heute werden insgesamt acht verschiedene Biere in der Klosterbrauerei hergestellt. Berühmt berüchtigt ist hierbei der dunkle Doppelbock, den man am authentischsten im klostereigenen Bräustüberl genießt. Neben der tiefen Verwurzelung in Bayern sind die Andechser Bierspezialitäten inzwischen in ganz Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern im Markt vertreten.

Tegernseer Spezial

Das Brauhaus in Tegernsee ist schon länger bekannt für gutes Bier. Lange bestand der Eindruck, dass der Ausstoß so gering sei, dass selbst im süddeutschen Raum ständige Knappheit bestand. Inzwischen findet man Gebrautes vom Tegernsee bei fast jedem Dönerstand in Berlin – gefühlt zumindest. Meist findet man das klassische „Helle“. Hier geht es jedoch um das etwas kräftigere helle Lager, das Spezial mit einem Stammwürzegehalt von 13°P und einem Alkoholgehalt von 5,6%.

Tegernseer Spezial 1Farbe
Etwas blass, aber sonst recht ansehnlich, so präsentiert sich das Tegernseer Spezial im Glas. Der Schaum ist leider nicht von guter Konsistenz und verabschiedet sich schon vor dem ersten Schluck, wenn man nicht schnell genug ist. Auffällig ist beim ersten Eindruck der würzige Duft, der der Flasche entweicht.

Einstieg
Beim ersten Schluck bestätigt sich der würzige Eindruck und die 13% Stammwürze entfalten sich.

Körper und Geschmack
Herrlich kräftig dringt der würzige Geschmack nach und nach in den ganzen Mund. Ein wunderbar voller und vielfältiger Geschmack, wie eine Reise durch ein Gewürzregal. Es lohnt sich die einzelnen Schlücke unterschiedlich lange im Mund zu behalten und so die verschiedenen Nuancen zu erfahren. An diesem Bier ist wirklich ständig was neues zu entdecken.

Tegernseer Spezial 3Abgang
Das Bier geht, die Würze bleibt und das macht Spaß. Der Hopfen kommt hier optimal zur Geltung. Das Tegernseer Spezial ist wirklich eine herrlich Runde Sache – das merkt man auch beim Abgang.

Kohlensäure
Recht wenig Kohlensäure bringt dieses helle Lager mit sich. Das stört aber in keinem Fall, sondern macht das Bier extra süffig.

SüffigkeitTegernseer Spezial 2
Ja, extra süffig, das ist das Spezial vom Tegernsee. Nach einer Flasche aufzuhören, dürfte schwer sein. Da ist ein langer Abend im Bräustüberl direkt am See der bessere Rahmen.

Fazit
Ein Bier, bei dem man WOW sagt und es auch meint. Ein richtig starker Kandidat aus der Kategorie Lager/Export. Besonder kommt zur Geltung, dass das Spezial einen höheren Stammwürzegehalt hat als das klassische Helle vom Tegernsee. Das zeichnet sich aus. Klasse!

 

zur Brauerei
Zurückgehend auf ein Benediktinerkloster aus dem 8. Jahrhundert, entstand laut Mythos im Jahr 1050 die Brauerei. Die heutige Braustube kann ihre Geschichte bis ins Jahr 1675 zurückverfolgen – auch das ein stolzes Alter und somit eine Brauerei mit großer Tradition.
Besonders herauszuheben ist das herrliche Bräustüberl direkt am See. Hier warten im urigen Gewölbekeller die köstlichen Bierspezialitäten auf ihre Verkoster. Es lohnt sich!

Posthorn Gold

Das Posthorn Gold ist ein untergäriges Vollbier nach Rezept der Postbrauerei Karl Meyer. Der Stammwürzegehalt liegt bei 12,5°P und der Alkoholgehalt bei 5,1%, womit diese Werte für ein Lager- bzw. Exportbier ziemlich im Mittel liegen.Posthorn Gold 1 Als besonders schön ist mir das Etikett auf der Vorderseite aufgefallen. Ein Postbote in Tracht hält einen Krug der Postbrauerei, auf dem wieder er selbst abgebildet ist. Wie oft sich das wohl wiederholen würde, wenn das Etikett größer wäre?

Farbe
Dafür, dass das Bier sich Goldhorn nennt, könnte die goldene Farbe etwas kräftiger sein. Sauber filtriert, feinporiger und beständiger Schaum, von dem man gerne noch etwas mehr hätte. So präsentiert sich das Export auf den ersten Blick.

Posthorn Gold 3Einstieg
Kräftig tritt das Bier direkt beim ersten Schluck in Erscheinung! Recht herb für ein Export treibt es seinen Geschmack sofort in jede Pore. Das gefällt sofort! Dazu noch der herrlich hopfige Duft, der einem direkt beim Öffnen des Kronkorkens in die Nase steigt. Top!

Körper und Geschmack
Der Geschmack ist wunderbar prägnant und jeder Schluck sitzt. Der Körper nimmt sich seinen Platz, sodass alle Geschmacksbereiche gut angesprochen werden können. Dieses Bier ist wirklich gut komponiert. Für ein Export recht herb und hopfenlastig, dürfte dies auch für Pilstrinker eine leckere Alternative sein.

Abgang
Zwar wird das Bier hintenraus etwas wässrig, was dem insgesamt guten Abgang jedoch nicht im Wege steht. Es bleibt ein angenehm herber Nachgeschmack, der Lust auf das nächste Bier macht.

Kohlensäure
Ausgewogene Kohlensäure lässt das Bier angenehm sprudelig wirken. Es ist dadurch aber noch lange kein Bauchbläher, sondern unterstreicht mit der Kohlensäure lediglich sehr angemessen den Geschmack.Posthorn Gold 2

Süffigkeit
Nach dem zweiten Schluck weiß man schon, dass man von diesem Bier noch mehr Flaschen trinken möchte. Leicht in der Kehle ist es gut geeignet für lange Abende.

Fazit
Ein gelungenes Export, das auch Pilstrinkern Freude bereiten dürfte. Durch die Hopfennote ist der Geschmack präziser als bei vielen anderen Bieren dieser Sorte.

 

zur Brauerei
Eigentlich leitet es etwas fehl, dass ich oben schrieb, das Bier stamme aus der Postbrauerei Karl Meyer. 2009 verkaufte diese ihre Markenrechte an die Privat-Brauerei Zötler in Rettenberg (Allgäu), die seitdem die Tradition der Postbrauerei fortführt. Die 17 Zötler Biere werden daher nun von 5 Bieren der Postbrauerei komplementiert. Beide Brauerein blicken auf eine lange Geschichte zurück. Die Postbrauerei, ursprünglich in Nesselwang ansässig, wurde 1650 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Die Privat-Brauerei Zötler ist nochmal 200 Jahre älter, mit einer ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 1447. Damit ist sie übrigens die älteste familiengeführte Brauerei der Welt. Super, dass nun auch die Tradition der Postbrauerei in diesem traditionsbewussten Haus als eigene Marke weitergeführt wird!

Chiemseer Braustoff

Der „Braustoff“ ist ein helles Lagerbier aus dem Chiemgau im Südosten Bayern. Mit einem Stammwürzegehalt von 12°P und einem Alkohlgehalt von 5,6% zählt es zu den Vollbieren. Damit hat es einen höheren Stammwürze- und Alkoholgehalt als das Standard-„Helle“ aus dem Chiemgauer Brauhaus.

Farbe
Das Bier ist kräftig golden und der Schaum ist angenehm haltbar. Es ist sehr sauber filtriert, wodurch die Kohlensäure im Glas schön zur Geltung kommt.

Einstieg
Hmm, da hätte man schon etwas mehr erwartet. Für den großen Bruder des Standard-„Hellen“ kommt dieses Bier sehr lasch daher. Der Geschmack breitet sich nicht richtig aus und verpufft erschreckend schnell.

Chiemseer BraustoffKörper und Geschmack
„Welcher Körper?“, fragt man sich nach den ersten Schlücken. Hier fehlt es wirklich an Substanz. Das, was da ist, schmeckt angenehm, aber sehr zurückhaltend. Ein mildes Hopfenaroma schleicht sich durch, wenn man ganz genau hinschmeckt. Grundsätzlich spielt sich bei diesem Bier viel weit vorne im Mund ab, was mit dem schnell abklingenden Geschmackserlebnis verbunden ist.

Abgang
Das Bier verschwindet so schnell, dass man wirklich von einem französischen Abgang sprechen muss. Positiver Nebeneffekt: kein störender Nachgeschmack. Allerdings auch nichts, woran man sich noch länger freuen könnte.

Kohlensäure
Der Anteil der Kohlensäure ist angenehm. Weder zu penetrant, noch zu lasch.

Süffigkeit
Ein Bier, das man wie Wasser trinken kann. Sehr leicht und angenehm zu trinken.

Fazit
Schwach auf der Brust, das ist der Braustoff aus dem Chiemgau. Als solcher aber ein guter Begleiter zu Speisen, bei denen das Essen im Mittelpunkt stehen sollte.

 

zur Brauerei
Das Chiemgauer Brauhaus aus Rosenheim gehört zur Auerbräu GmbH, die ihrerseits zur Paulaner Brauerei-Gruppe gehört. Gebraut werden ausschließliche helle Lagerbiere mit einem Alkoholgehalt zwischen 4,8% und 5,6%. Aktuell läuft ein Rechtsstreit, indem es darum geht, dass die Biere nicht mehr „Chiemseer“ genannt werden dürfen, da der Brauort Rosenheim gar nicht am Chiemsee liegt. Man darf gespannt sein, wie das endet!