Wernesgrüner 1436

Bei diesem Bier aus dem Hause Wernesgrüner wird volle Kanne die Traditionskarte ausgespielt. Oh, Moment. Das wird sie ja immer! Denn das 1436er, benannt nach dem Ursprungsjahr des Bierbrauens in Wernesgrün, hat als einzigen Bierbruder die Pils Legende. Also alles schonmal recht mystisch. Das Etikett soll den Charme vergangener Tage widerspiegeln. 4,8% Alkoholgehalt bringt das Pils bei den harten Fakten auf die Waage. Mal schauen, was der Inhalt der Flasche so hergibt.

1436-1

Duft und Farbe
Mild und fein duftet es aus der frisch geöffneten Flasche. Schonmal kein Muff aus dem Jahre 1436. Das beruhigt! Die Duftnote erinnert etwas an frischen Brotteig, ist also von einer leichten Hefenote geprägt. Im Glas zeigt sich das Bier mit einer imposant beeindruckenden Farbe. Es strahlt nur so von Gold mit einem kleinen roten Einschlag. Der Schaum könnte eine Nummer feiner sein und verabschiedet sich leider auch etwas zu schnell.

Einstieg
Schon beim ersten Schluck merkt man, dass das 1436 kein Bier von schlechten Eltern ist, sondern es faustdick hinter den Ohren hat. Da wird keine Sekunde verplempert, bis sich der Geschmack im ganzen Mund verteilt.

Körper und Geschmack
Sprintet das Bier zunächst Richtung Gaumen, entfaltet es doch blitzartig seinen Geschmack im ganzen Mundraum. Das Bier wirkt dabei ganz und gar nicht aggressiv, sondern ist viel mehr von milden Aromen geprägt, die ein abgerundetes Bild abgeben. Zu leicht herben Elementen gesellen sich malzige Anstriche, die das Bier komplettieren. Beeindruckend ist in jedem Fall, wie rund dieses Bier den Braumeistern gelungen ist. Da wurde wohl schon vor 600 Jahren vorbildliches geleistet.

1436-2

Abgang
Genauso rund wie der Geschmack an sich gestaltet sich auch der Abgang. Einfach eine runde Sache – anders kann man es gar nicht sagen.

Kohlensäure
Offensichtlich ist diese Kohlensäure nicht für guten Schaum konzipiert, aber für den Biergenuss ist alles gut eingestellt. Kann man da noch irgendwie fein nachjustieren?

Süffigkeit
So rund und leicht, wie dieses Bier daherkommt, ist eine Süffigkeit massiv gegeben. Eine Flasche kommt hier wohl selten allein.

Fazit
Das 1436 beweist, dass schon vor vielen Jahren sehr gut Bier gebraut wurde. Eine sehr gelungene und Runde Sache aus der Wernesgrüner Brauerei, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

1436-3

zur Brauerei
Die Wernesgrüner Brauerei blickt auf eine lange und wechselhafte Geschichte zurück. Die Gründung geht auf die Gründung einer Glashütte im Jahr 1436 zurück, was damals das Recht Bier zu brauen beinhaltete. Schließlich muss der Inhalt auch zum Glas passen. Um die Glashütte entwickelte sich der Ort Wernesgrün, in dem es Ende des 19. Jahrhundert fünf Brauereien gab. Zur Zeit der DDR wurden die Brauereibesitzer enteignet und die Betriebe zum „VEB Exportbrauerei Wernesgrün“ zusammengeführt. Nach der Wiedervereinigung wurde die Brauerei privatisiert und nach umweltfreundlichen Standards modernisiert. Heute gehört die Brauerei zur Bitburger Gruppe und ist in ihrem Sortiment ihrer Tradition als Pilsbrauerei treu geblieben. Neben der Pils Legende gibt es ein Traditionspils „1436“, ein Radler und ein alkoholfreies Bier.

Duvel

Das Duvel ist wohl das bekannteste der belgischen Biere. Erstmals gebraut wurde es 1918 als Siegerbier nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Es ging wohl darum, Stärke zu zeigen. So lässt sich auch erklären, dass ein Starkbier dabei herausgekommen ist. Der Schriftzug ist überaus charakteristisch und prägt das Bild der Steinieflasche, in der dieses Bier traditionell verkauft wird. Der Stammwürzegehalt von 17,6°P heizt dem Bier ordentlich ein und sorgt dank obergäriger Hefe für einen starken Alkoholgehalt von 8,5%. Hiervon leitet sich auch der Name ab: Teufelsbier! Dabei hat dieses Bier wirklich nicht viel Schreckliches an sich. Zwei verschiedene Hopfen sollen den Geschmack angenehm formen, so darf man annehmen. Aber ob das gelingt? Wir haben es mal ausprobiert!

Duvel-1

Duft und Farbe
Die erste Note des Bieres wirkt wie von Hefe geschwängert. Recht schwer und behäbig bahnt sich der Duft des Bieres den Weg durch die Nase und lässt die Vorfreude auf den ersten Schluck steigen. Im Glas ist das Bier minimal trüb und der feinporige Schaum verschwindet leider recht schnell, naja. Man will ja das Bier trinken und nicht nur den Schaum bestaunen.

Einstieg
Ein aufregender erster Schluck ist das, der sich irgendwo zwischen fruchtigen Anklängen und doch leicht klassisch alkoholischen Noten bewegt.

Körper und Geschmack
Spannend an diesem Bier ist sogleich, dass es sich sehr gleichmäßig im Mund verteilt und auch genauso seinen Geschmack einsetzt. Im allerersten Moment erinnert das Bier beim Ansetzen und ersten Lippenkontakt an Fanta. Krass. Dann ein starker Schwenk in Richtung herbe und leicht alkoholisch anmutende Geschmacksaromen. Insgesamt ist keine wirkliche Entwicklung beim Genuss dieses belgischen Spezialbieres festzustellen. Viel mehr wird man konsequent von der Gewalt des Duvels angestupst.

Duvel-2

Abgang
So stark wie es auftrat, so stark ist es auch im Abgang. Eine prägnant herbe und leicht bissige Note setzt den Schlussakkord.

Kohlensäure
Hier ist das Bier sicherlich stark bedacht worden. Ordentlich viel Kohlensäure bringt das Bier in jede Ecke des Mundes und sorgt, wie schon erwähnt, für eine gewisse Schärfe.

Süffigkeit
Also als wirklich süffig kann man das Duvel nicht bezeichnen. Dafür scheint es im Geschmack zu speziell, im Auftreten zu forsch und was den Alkohol angeht zu stark.

Fazit
Ein abenteuerliches Bier mit spannender Geschichte aus Belgien, das mit einem starken Charakter aufwartet. Wer ein einfaches Bier sucht oder ein süffiges Erlebnis haben möchte, sucht besser woanders.

Duvel-3

zur Brauerei
Die Brauerei Moortgat wurde 1871 von Jan-Leonard Moortgat gegründet. Während des Ersten Weltkriegs kam Moortgat in Kontakt mit den Briten und ihren Ales und beschloss anschließend ein ähnliches Bier für den heimischen Markt zu konzipieren. Dieses nannte er in Gedenken an das Ende des Weltkriegs „Victory Ale“. Es entpuppte sich als regelrechter Kassenschlager und wurde schließlich in Duvel umbenannt. Doch dabei blieb es nicht. Der durchschlagende Erfolg veranlasste schließlich die ganze Brauerei zu einem Namenswechsel und so kam es zum heutige Namen der Brauerei: Duvel Moortgat. Weiterhin hält die Familie Moortgat das Steuer in der Hand. Es werden auch weitere Biersorten produziert, überwiegend im Starkbierbereich.

Schoofseggl Bier

Schoofseggl, so heißt eigentlich ein schwäbisches Mundart-Duo. Doch irgendwann kam die Idee auf, ein gleichnamiges eigenes Bier brauen zu lassen. Dieses Vorhaben wurde schließlich durch die Lammbrauerei Hilsenbeck realisiert. Lamm und Schaf, das passt ja auch schon irgendwie. Das Etikett ist schonmal munter gestaltet mit allerhand Getier, das Shawn dem Schaf nicht unähnlich sieht. Über den Inhalt wird abgesehen vom Alkoholgehalt (5,1%) und der Naturbelassenheit noch nicht viel verraten. Deshalb haben wir es getrunken!

dav Duft und Farbe
Auch bei diesem Gruibinger Bier gibt es einen Bügelverschluss. Der Duft nach dem Plöppchen verrät jedoch nicht viel. Es ist vielmehr ein zartes Düftlein, das auch rein zufällig des Weges gekommen sein könnte. Im Glas zeigt sich das Bier dem Etikett entsprechend naturtrüb und von milder Farbintensität. Der Schaum ist mittelfein und von annehmbarer Haltbarkeit.

Einstieg
Auf Anhieb bildet sich der Körper des Bieres gut im Mund aus. So einen Einstieg hätte man bei dem nur schwach ausgeprägten Duft gar nicht erwartet. Die ersten Geschmacksstoffe lassen auf fruchtige Noten hoffen, die von einem feinherben Unterbau abgerundet werden.

dav

Körper und Geschmack
Der erste Eindruck baut  sich aus. Das Bier hat einen phänomenal geformten Körper, der gleichsam füllig im Mund liegt und so von einer gewissen Schwere zeugt und im gleichen Zug jedoch sehr mild und frisch wirkt. Hier werden aus verschiedenen Bierrichtungen die besten Eigenschaften vereint. Die fruchtigen Nuancen lassen phasenweise gar an ein IPA erinnern. Hinten raus bilden sich aber zunehmend auch stärkere Bitterstoffe, die das Schoofseggl zu einem echten Bier machen.

Abgang
So samtig weich, wie es kam, geht es auch wieder. Dabei hinterlässt das Bier nicht sonderlich viel außer einem zart fruchtigen Nachgeschmack, der noch für einige Zeit ein wohliges Gefühl beim Biertrinker auslosen dürfte.

Kohlensäure
Nicht zu sprudelig aber doch mit genug Wumms, um den gesamten Mundbereich anzusprechen. Die Kohlensäure ist sehr gut dosiert.

Süffigkeit
Dieses feine Bier hat durchaus die Eigenschaften, um für einen süffigen Abend herzuhalten. Dagegen spricht lediglich teilweise der doch recht voluminöse Körper.

Fazit
Dieses Bier ist definitiv kein Scherz des Comedy-Duos, sondern ein rundum gelungenes Produkt aus Schwaben. Der Körper ist gut komponiert und harmoniert mit den fruchtigen Geschmacksanteilen, die das Bier irgendwo zwischen Lager, Weizen und IPA seinen Platz finden lassen.

dav

zur Brauerei
Bei dieser Brauerei kann man mit Fug und Recht sagen, dass es sich um eine fast 300 jährige Familiengeschichte handelt. Seit 1728 ist die Lammbrauerei Hilsenbeck nämlich schon im Besitz der Familie Hilsenbeck, bzw. im Besitz der Vorfahren. Doch natürlich gingen auch an dieser Brauerei die Spuren der Zeit nicht ohne Einflüsse vorüber. Immer wieder wurde umgebaut und erneuert, doch diese Innovationen und Anpassungen haben nur dazu beigetragen, dass die Brauerei noch heute besteht und mit einem breiten Spektrum an klassischen Bieren und einer Craftbeercollection die Kunden im Umkreis erfreut.

Gambrinus Originál 10

Gambrinus schaut einem vom Etikett bierbeseelt und leicht beschwipst entgegen. Freundlich hebt er seinen überschäumenden Krug zum Gruße und prostet uns zu. Diese recht traditionelle Darstellung kontrastiert mit dem sonst recht modernen Design von Etikett und Flasche. Der ehemalige König Flanderns und allgemein anerkannter Bierpatron weiß sicher, was gut ist. In der Flasche findet man den feinen Trank, der ihn wohl in diesen seeligen Zustand gebracht hat. Die 10 steht übrigens für 10° Stammwürzegehalt, womit das Bier als Schankbier gezählt wird. Zunächst recht schwach anmutende 4,3% Alkoholgehalt zeugen davon, dass es wohl nicht sein erster Humpen war. Also ein süffiges Langstreckenbier? Schauen wir mal!

Gambrinus-3

Duft und Farbe
Mild hopfig und angenehm malzig duftet das Gambrinus aus der Flasche heraus. Damit wirkt es etwas untypisch für ein Pils. Auch optisch tanzt es etwas aus der Reihe: Es ist deutlich dunkler, als man es wohl erwarten würde und trumpft mit einem leichten Stich ins Rötliche auf. Der Schaum ist feinporig, verschwindet aber leider schneller, als es einem lieb wäre.

Einstieg
Hui, da geht’s gleich ab! Mit Vollgas startet das Bier und überrascht den geneigten Genießer direkt mit einer vollen Packung starken Geschmacks. Da freut man sich gleich auf den nächsten Schluck.

Körper und Geschmack
Das Gambrinus lässt sich wirklich nicht lumpen. Stark im Antrunk bilden sich gleich oben intensivste (!) Aromen aus. Insgesamt fällt es auch hier schwer, wirklich das Pils in diesem Bier zu entdecken. Der Geschmack ist ziemlich stark von Malz dominiert, der in einer ins Süßliche abdriftenden Kurve den Mund erfüllt. Im Verlaufe des Flascheleerens bilden sich jedoch auch zunehmend leicht herbe und bittere Noten aus, welche die süßlichen Anklänge schlussendlich überdecken. Von einem wirklich hopfig dominierten Pils kann man dennoch in keinster Weise sprechen.

Gambrinus-1

Abgang
Der Abgang ist dann, wie schon anklang, eher von herben Tönen dominiert, inklusive eines kleinen Ausflugs in die Kategorie Hustensaft. Der ist auch süß und manchmal hinten im Abgang leicht bitter, nicht wahr?

Kohlensäure
Hier ist das Gambrinus gut ausgestattet. Alles kommt dahin, wo es hinsoll. Nur die Verweildauer des Schaums könnte noch besser sein. Aber es kann ja nicht alles perfekt sein.

Süffigkeit
Für Tschechen vielleicht wirklich eine süffige Angelegenheit. Aber wenn man es aus deutscher Perspektive betrachtet, also mit einem starken Pils im Hinterkopf oder einem Hellen in der Hand, dann macht das Gambrinus nicht den süffigsten Eindruck.

Fazit
Ein spannendes Bier aus Tschechien, mit einer überraschenden Geschmackskurve. Auf den letzten Metern fällt es dann aber mit der Überzeugung schwer….

Gambrinus-2

zur Brauerei
Die Brauerei Plzeňský Prazdroj, zu Deutsch „Pilsner Urquell“, gilt als Ursprungsort dieser gesamten Biergattung. Damit quasi ein heiliger Ort! Die wechselvolle Geschichte reicht bis in das Jahr 1839 zurück. Damit ist die Brauerei gar nicht so uralt, aber die Brauart Pils ist im Vergleich zu anderen Methoden auch noch recht jung und konnte erst mit der Entwicklung modernerer Kühlmethoden weite Verbreitung finden. Heute werden verschiedenste Biere unter mehreren Markennamen gebraut und vertrieben. Die Brauerei selbst gehört zur japanischen Brauereigruppe Asahi.

Finne Pils

Ein Pils aus der Münster, der Hauptstadt der Fahrräder. Auf dem Etikett sieht man sogleich einen imposanten Kirchturm, der an den Kölner Dom erinnert. Doch handelt es sich hier um die Lambertikirch, quasi den halben Dom. An seinem Turm hängen eigentlich die Käfige von drei Wiedertäufern aus vergangener Zeit. Auf dem Etikett gibt es stattdessen drei feine Hopfendolden. Eine feine und nette Idee der Brauerei. Die harten Fakten stehen dem Bier auch gut zu Gesicht: Vier Sorten Hopfen und zwei Sorten Malz werden zu 5,1% Alkoholgehalt vergoren. Alles öko. 42 IBU Bittereinheiten soll das Getränk haben und laut Brauerei so bestens zu Currywurst, Frikadelle und Grünkohl passen. Damit schlägt es eine grandiose Brücke zwischen Pott und norddeutschem Tiefland. Noch Fragen? Nein? Dann gehts hier los mit der Rezension!

FinnePils-1

Duft und Farbe
Frisch und leichtherb kommt einem die feine Duftnote aus der Flasche entgegen. Dazu mischen sich fruchtige Noten, die fast ein kleines bisschen an den tropischen Hauch eines IPA erinnern. Im Glas zeigt sich das Finne Pils hellgelb und leicht eingetrübt. Der Schaum ist ganz überwiegend feinporig und die Verweildauer als echte Krone ist auch ganz beachtlich.

Einstieg
Fast wie ein Panther springt einen der Geschmack dieses Pilseners an. Es wird sofort im ganzen Mund losgelegt. Es gibt kein Entkommen.

Körper und Geschmack
Von der ersten Sekunde an wartet dieses Bier mit einem starken und prägnanten Geschmack auf, der einen vollkommen in Beschlag nimmt. So etwas erlebt man wirklich selten… Einerseits kommt das Pils hierbei recht leicht und sommerlich daher. Dafür sorgt vor allem die Fruchtigkeit und die leicht herben Aromen, die von Anfang an schon mitschwingen. Andererseits folgt dann recht schnell ein Turn hin zu recht herben Noten, die schließlich die Federführung übernehmen. Dennoch werden die fruchtigen Anklänge nicht vollkommen verdrängt. Viel mehr schwingen diese stets mit und bieten so ein angenehm stimmiges Bild.

FinnePils-2

Abgang
Auch hier präsentiert sich das Finne Pils als runde Sache. Keine störenden Eindrücke, sondern ein von vorne bis hinten abgestimmtes Geschmackserlebnis wird einem hier geboten. Das macht wirklich Spaß!

Kohlensäure
Kohlensäuretechnisch hat der Braumeister alles richtig gemacht. Das Bier ist recht mild zu trinken, sprudelt einem also nicht im Mund über. Gleichzeitig gibt es aber keine Abzüge bei der Schaumbildung. Und genau diesen Spagat zu schaffen, das ist die große Kunst in dieser Kategorie!

Süffigkeit
Süffigkeit ist bei diesem Bier definitiv gegeben. Gerade die Leichtigkeit im Geschmack und der recht geringe Kohlensäureanteil beim Trinken bilden hierfür die Grundlage.

Fazit
Das Finne Pils ist ein richtig starkes Bier seiner Gattung! Etwas fruchtiger als die meisten Pilsener nimmt es einen soliden Rang zwischen den norddeutschen Küstenpils und den neumodischen IPA ein. Eine lohnende Ergänzung!

FinnePils-3

zur Brauerei
Diese Brauerei, die sich selbst das Label „Craft Beer“ aufdrückt, stammt aus dem Kreuzviertel der westfälischen Fahrradmetropole Münster. Alle Biere werden nach Bio-Standard gebraut und die Auswahl kann sich sehen lassen: Helles, Weizen, Pils, Pale Ales und auch einige fruchtige Experimente. Der Name stammt übrigens aus der Münsteraner Lokalsprache „Masematte“ und bedeutet schlicht und ergreifend ‚Flasche‘. Diese werden in der Brauerei auch fleißig gefüllt!

Anchor Smooth

Zwei gekreuzte Anker auf rotem Grund – ein Symbol, das in Südostasien fast so bekannt ist wie der Tiger von nebenan. Das Anchor Smooth stammt aus Malaysia und steht für leichte Erfrischung in tropischem Klima. Mit 4 % Vol. Alkohol ist dieses Lager das Gegenstück zur Mittagshitze: mild, weich und auf Trinkbarkeit getrimmt. Das Logo mit den Ankern erinnert an die maritime Geschichte der Region, denn ursprünglich wurde das Bier in Singapur gebraut, als Relikt britischer Kolonialzeiten.

Ob dieses Bier mehr ist als eine Hommage an die Seefahrt – oder einfach das flüssige Äquivalent einer lauen Meeresbrise – zeigt sich im Glas.

Farbe
Dieser Löwe strömt mit einer kräftig-goldenen Farbe aus der Dose. Auch der Schaum schaut fein aus, verabschiedet sich allerdings, bevor man richtig Freude an ihm haben kann. Die erste Nase ist leicht fruchtig, aber weitgehend unspektakulär.

Einstieg
Erfrischend leicht strömt dieses Lagerbier in den Mund hinein. Die Aromen kommen zunächst nicht sehr stark hervor. Lediglich die erfrischend-fruchtige Note treten von Anfang an in den Vordergrund.

Körper und Geschmack
Auch im weiteren Verlauf präsentiert sich das Bier sehr schlank und leicht, bildet jedoch auch zunehmend leichte Bitternoten heraus, die sich vor allem im Nachgeschmack entwickeln.

Abgang
So sanft wie das Bier kam, so geht es auch wieder. Leicht, fein,  fruchtig. Was bleibt ist die Frische, die das Bier hintrelast – fast wie bei einem europäischen Radler oder Alsterwasser.

Kohlensäure
Eine angenehme Menge an Kohlensäure bringt die Frische in jeden Mundwinkel. Hier hat der Braumeister alles richtig gemacht.

Süffigkeit
Trinkt sich lockerleicht wie Wasser. Mit allen Vor- und Nachteilen. Wer hier nach einem Bier aufhört, der hatte wohl einfach keinen Durst.

Fazit
Ein Bier für heiße Sommertage. Leicht, frisch und fruchtig auch gut als Erfrischung nach dem Sport oder als Begleitung zum Essen. Für Freunde von Bieren mit prägnantem Geschmack ist dieser asiatische Vertreter jedoch sicher nichts.

zur Brauerei
Das Anchor Smooth wird heute von Heineken Malaysia Berhad gebraut, ehemals Guinness Anchor Berhad, mit Sitz in Petaling Jaya. Die Marke selbst geht auf die 1930er Jahre zurück und wurde ursprünglich in Singapur gegründet – daher auch die gekreuzten Anker als Symbol der Seefahrt und des britischen Einflusses.
Mit der Übernahme durch Heineken erhielt Anchor Smooth seine heutige Rezeptur: ein mildes, rundes Lager mit weicher Malznote und sanfter Kohlensäure, abgestimmt auf das tropische Klima Südostasiens. In Malaysia gilt es als klassisches Alltagsbier – weniger zum Staunen, mehr zum Trinken.

Pinkus Weizen

Pinkus ist in Münster eine Institution. Aber das Weizen? Und ganz generell: Ein Weizenbier aus Westfalen? Ist das nicht viel mehr die Heimat von Pils und Altbier? Nun ja, das stimmt zwar, aber auch die Brauereien über sich bekanntermaßen in Diversifizierung und so gibt es auch aus der Münsteraner Braustube nun ein Weizen. Es ist aber nicht irgendeines, sondern schon ein Weizen von besonderem Schlage. Dem Bier wird vor dem Abfüllen noch extra Bierwürze zugesetzt, damit es, solange es in der Flasche darauf wartet, getrunken zu werden, noch schön nachreifen kann. Dazu kommt, dass alles in Bio-Qualität eingekauft und verarbeitet wird. Also schon was Besonderes, dieses Weizen aus Münster. Insgesamt bringen es die 12,3°P Stammwürze schließlich auf runde 5% Alkoholgehalt – und das ist wahrscheinlich das Durchschnittlichste an diesem Bier. Und wie es geschmeckt hat? Das lest ihr hier!

Duft und Farbe
Mild, aber auch leicht säuerlich, so duftet es aus der Flasche. Dazu mischen sich Aromen, die an sanfte Vegetation erinnert. Im Glas zeigt sich das Bier recht hell und weizentypisch eingetrübt. Der Schaum hat eine gute Haltbarkeit, aber es ist gar nicht so einfach, die Krone zu ihrer Geltung zu bringen.

Einstieg
Das Pinkus Weizen legt gleich prägnant los. Dabei fragt man sich aber auch sogleich, ob sich der Geschmack noch entwickeln wird…

Körper und Geschmack
Um gleich beim Einstieg anzuknüpfen: …denn es dominieren doch recht säuerliche Aromen. Diese prägen sich in einer Geschmackskurve schnell und umfassend aus, quasi stringent. Dabei ist das Bier durchaus vollmundig und breitet sich schön gleichmäßig im Mund aus. Insgesamt entwickelt sich der Geschmack vor allem vorne und oben in der Mundhöhle.

Abgang
Das Bild ändert sich auch im Abgang nicht. Es dominiert zunächst eine säuerliche Note, bevor sich dann wieder gemäßigtere Noten einstellen.

Kohlensäure
Über die Kohlensäure kann man nichts Schlechtes sagen. Vielleicht wäre ein bisschen weniger auch okay gewesen, aber der Schaum zeigt auch, dass genau diese Menge Kohlensäure großartiges in Sachen Schaum leistet.

Süffigkeit
Mit etwas weniger Säure wäre das Bier sicherlich süffiger. So ist es so mittelsüffig.

Fazit
Das Pinkus Weizen zeichnet sich vor allem durch markante deutliche Säurenoten aus. Diese sind etwas zu dominierend, wenn man ehrlich ist.

zur Brauerei
„Wer den Stuhlmachersch’en Tropfen und den Bullenkopp nicht kennt und des Pinkus Müllers Hopfen, war in Münster nie Student“, so heißt es im studentischen Münsterlied. Da steckt auch gleich viel Richtiges drin. Die Ursprünge der Brauerei, die ursprünglich nur Altbier braute, gehen ins Jahr 1816 und auf Johannes Müller zurück. Wie so oft handelte es sich damals um ein Mischwesen aus Brauerei und Bäckerei. Nach fast 100 Jahren, so erzählt man zumindest, kommt Carl Müller, Brauspross aus der Müllerfamilie, nach dem Genuss eines Bullenkopps, einem Trinkgefäß mit 6 Litern Fassungsvermögen, auf die Idee, im Wettstreit mit Freunden von einer Mauer aus eine Gaslaterne auszupinkeln. Er gewinnt und erhält den Spitznamen „Pinkus“. Heute braut die Brauerei eine Vielzahl von Biersorten. Klassiker bleiben aber vor allem Pils und Alt.

Andechser Weissbier Hell

Dieses Bier ist gar nicht so alt, wie man es bei der Brauerei denken könnte. Zum Josephitag 1993 wurde es erstmals eingebraut, hat sich seitdem aber schon zu einem wahren Klassiker gemausert. Wie sollte es bei irgendeinem Andechser Bier auch anders sein? Allein die Kulisse mit dem malerischen Klosterort auf dem Hügel im Oberbayerischen spricht für sich. Da hat es dieses Weizenbier mit seinem Stammwürzegehalt von 12,5°P und 5,5% Alkoholgehalt schon recht leicht. Aber hat es diesen glorreichen Status auch wirklich verdient? Wir haben es ausführlich getestet!

dav

Duft und Farbe
Milde Hefearomen und fruchtige Noten sprudeln förmlich aus der Flasche hervor, sobald man den Kronkorken entfernt hat. Im Glas zeigt sich dann auch sofort die herausragenden Qualität des Schaums, der feinporig und cremig das trübe Glück bedeckt. Das Andechser schaut wie ein etwas hellerer sehr trüber Apfelsaft aus – aber hier steckt sicherlich mehr dahinter.

Einstieg
Sanft und zart aber dennoch bestimmt. So schmiegt sich das Weizen von Anfang an in den Mund des Genießers und zauber ihm ein Lächeln ins Gesicht. Es wirkt dabei recht sprudelig, zumindest wenn es die Lippen direkt berührt.

Körper und Geschmack
Das helle Andechser Weizen ist dermaßen rund im Geschmack, dass es schon beinahe erschreckend ist. Wie ein sanfter Riese breitet sich das Bier mit seinen Aromen aus und betöhrt die Geschmackssinne. Hier ein bisschen Frucht, dort einen Hauch von Bitterkeit. Der Körper nimmt den ganzen Mund in Beschlag, jedoch ohne die oftmals damit verbundene Schwere. Stattdessen spannt das Bier seinen Spannungsbogen von Fantastisch zu Großartig.

dav

Abgang
Zum Abgang hin manifestieren sich etwas mehr bittere und herbere Noten, die sich vor allem im hinteren Backenbereich bilden. Sie komplettieren das Gesamtbild.

Kohlensäure
Es ist in jedem Fall genug Kohlensäure vorhanden, um erstens das wunderbar vollmundige Gefühl zu erzeugen, zweitens die Cremigkeit während des gesamten Genusses aufrecht zu erhalten und drittens dennoch nicht sauer zu wirken.

Süffigkeit
Das Bier schlägt ein wie eine eins und kann sich durchaus mit einer guten Süffigkeit brüsten. Es geht trotz des breiten Körpers gut den Rachen runter.

Fazit
Ein extrem starkes Weißbier, dem man auch eine deutlich längere Tradition zutrauen würde. Das Andechser hat einen sehr runden Auftritt, der durch einen prächtigen Schaum und wunderbare Aromen komplementiert wird.

dav

zur Brauerei
Die Geschichte der Klosterbrauerei Andechs reicht bis zur Gründung des Klosters im Jahr 1455 zurück. Seitdem wurden die Rezepturen stets fortgeschrieben und angepasst. Heute werden insgesamt acht verschiedene Biere in der Klosterbrauerei hergestellt. Berühmt berüchtigt ist hierbei der dunkle Doppelbock, den man am authentischsten im klostereigenen Bräustüberl genießt. Neben der tiefen Verwurzelung in Bayern sind die Andechser Bierspezialitäten inzwischen in ganz Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern im Markt vertreten.

Gruibinger Dorfbräu

In der klassischen Euro-Flasche finden wir das Dorfbräu von Gruibinger vor. Dorfbräu, das klingt direkt nach einem bodenständigen und kräftigen Bier mit starkem Charakter. Und so wird es auch auf dem Etikett beschrieben, das die Brauerei dem Bier mit auf den Weg gegeben wurde. Hier wird das Bier als „ehrlich“ beschrieben – ein guter Anspruch finden wir! Deshalb haben wir das helle Lager mit 12,7°P Stammwürzegehalt und einem Alkoholgehalt von 5,1% auch gerne probiert!

dav

Duft und Farbe
Frisch und luftig duftet es aus der Flasche – fast schon wie ein Pils. Leicht würzige Noten mischen den Geruch des Bieres dabei etwas auf. Im Glas zeigt sich das Bier mit einer intensiven goldenen Farbe. Das Dorfbräu ist dabei vollkommen klar, sodass man die Kohlensäure wunderschön beobachten kann. Der Schaum ist etwas grob und von mittlerer Beständigkeit.

Einstieg
Etwas lasch und mit einer sehr leicht metallischen Note steigen wir ins Trinken ein. Doch schon beim zweiten Schluck entfaltet das Bier etwas mehr seinen Charakter und es kommen typische Exportnuancen zur Geltung. Das soll heißen: würzige Aromen, die gefühlt von unten Herr im Mund wirken.

Körper und Geschmack
Wie schon im Einstieg gemerkt, braucht das Dorfbräu einen kleinen Moment, um seine ganze Schlagkraft zu entfalten. Im Haupttrunk kommen schließlich die klassischen Exportelemente deutlich zur Geltung. Die würzigen Aromen wirken aber nie übermächtig, sodass kein wirklich schwerer und vollmundiger Geschmack entsteht. Gerade im oberen Mundbereich wirkt das Bier jedoch weitgehend wässrig.

dav

Abgang
Schnell schwächen sich die würzigen Aromen ab, wenn das Bier verschwunden ist. Sonst bleibt nicht viel…

Kohlensäure
Gut dosiert und vollkommen passend, so kann man die Kohlensäure bei diesem Bier beschreiben. Da ist man nicht enttäuscht, wenn man sich bei der ersten optischen Prüfung schon Hoffnungen auf wohldosierte Kohlensäure gemacht hat.

Süffigkeit
Dieses Helle geht ganz locker rein, sodass nach einem nicht Schluss sein muss. Jedoch zeichnet sich das Bier nicht speziell als besonders süffig aus…

Fazit
Dieses Lager holt keine Sterne vom Himmel. Ehrlich ist es trotzdem – das muss man dem Bier lassen. Durchaus trinkbar, aber keine neuen Dimensionen setzend.

dav

zur Brauerei
Bei dieser Brauerei kann man mit Fug und Recht sagen, dass es sich um eine fast 300 jährige Familiengeschichte handelt. Seit 1728 ist die Lammbrauerei Hilsenbeck nämlich schon im Besitz der Familie Hilsenbeck, bzw. im Besitz der Vorfahren. Doch natürlich gingen auch an dieser Brauerei die Spuren der Zeit nicht ohne Einflüsse vorüber. Immer wieder wurde umgebaut und erneuert, doch diese Innovationen und Anpassungen haben nur dazu beigetragen, dass die Brauerei noch heute besteht und mit einem breiten Spektrum an klassischen Bieren und einer Craftbeercollection die Kunden im Umkreis erfreut.

Härle Lager Hell

Leutkirch im Allgäu ist keine Weltstadt. Dennoch ist sie als ehemalige freie Reichsstadt durchaus von historisches Bedeutung und die gute verkehrstechnische Lage machte sie recht bekannt. Noch heute merkt man diese alten Handelsbeziehungen, beispielsweise beim hellen Lager Bier von Clemens Härle. Hier wird feinster Bio-Hopfen aus dem nahen Tettnang am Bodensee verwendet, um diese Bierspezialität herzustellen. Dass auch die Moderne Einzug hält, merkt man daran, dass sich die Brauerei auf die klimaneutrale Bierproduktion eingestellt hat. Bei diesem Lager mit 4,7% Alkoholgehalt gibt’s also gutes Gewissen pur! Aber merkt man das auch im Geschmack?

HaerleHell1

Duft und Farbe
Man hat das Gefühl in einer Backstube zu stehen, so intensiv ist der Duft von Hefe, der der geöffneten Flasche entsteigt. Dazu mischen sich weitere leicht brotige Geruchsanteile, die dieses Bild zu vervollständigen scheinen. Im Glas zeigt sich das Bier leicht eingetrübt mit einer schwachgelben Farbe. Der Schaum wirkt cremig und feinporig und ist von schöner Qualität.

Einstieg
Hui, mit so viel Geschmack hätte man gerade beim ersten Schluck sicher nicht gerechnet! Das Bier legt sofort richtig los und erfüllt den ganzen Mundraum. Dabei werden augenblicklich mehrere Geschmacksbereiche angesprochen. Ein phänomenaler Start!

HaerleHell3

Körper und Geschmack
Das Bier wirkt sehr vollmundig und gibt dem Biergenießer stets das Gefühl, auch wirklich was im Mund zu haben. Es überwiegen sehr würzige Aromen, die fast ein wenig an einen mediterranen Kräutergarten erinnern. Die brotigen Einschläge, die anfangs den Vergleich mit einer Bäckerei heraufbeschwörten, sind recht bald vollständig verschwunden. Im Trinkverlauf zeigen sich zunehmen auch bitterere Anteile, die vor allem an der hinteren Zunge wirken. Sie helfen den Geschmacksbogen dieses Bieres zu spannen.

Abgang
In Richtung Abgang werden die bitteren Aromen dominanter, die einem das wichtige Gefühl vermitteln, gerade wirklich auch ein Bier und keine Limo getrunken zu haben. Er rundet das Trinkerlebnis wunderbar ab und macht Lust auf die nächste Runde.

Kohlensäure
Das helle Lager von Härle hat ganz gut Drive drauf und hier hat die Kohlensäure einen großen Anteil dran. Von der ersten Sekunde an sorgt sie dafür, dass das Bier sehr präsent ist und seinen Geschmack ganz und gar entfalten kann.

Süffigkeit
Definitiv ein sehr süffiges Bier, das vor allem durch den stets gespannten Geschmacksbogen zu jedem Zeitpunkt spannend bleibt. Herrlich!

Fazit
Hier hat die Brauerei Clemens Härle wirklich ein super Lagerbier produziert, bei dem Gewissen und Geschmacksnerven gleichsam zu Freudensprüngen ansetzen! Das Bier schafft es, bis zum letzten Schluck spannend zu bleiben und immer wieder neue Eindrücke bereitzuhalten. Feine Sache!

HaerleHell2

zur Brauerei
Die Geschichte der Brauerei geht in das Jahr 1897 zurück. Da gründete Clemens Härle, nachdem er selbst bei verschiedenen Brauereien gearbeitet hatte, seine eigene Wirk- und Braustätte. Bis heute wird im gleichen Gebäude gebraut, das 1896 erbaut wurde und auch heute noch wird die Brauerei von Nachkommen des guten Clemens geführt. Heute freilich mit deutlich mehr Sorten und einem starken Fokus auf Nachhaltigkeit, wofür die Brauerei mehrfach ausgezeichnet wurde.