Mammut Pilsner

Schon die Dose macht klar: Zurückhaltung ist hier nicht das Ziel. Satte Farben, eine archaisch anmutende Landschaft, Mammuts – oder doch Elefanten? – irgendwo zwischen Urzeitfantasie und Craft-Ästhetik. Auf dem Etikett steht selbstbewusst „Premium Craft Beer – Limited Edition“, dazu die Bezeichnung Pilsner Art, während gleichzeitig „Svetlo Pivo“, also helles Lagerbier, angegeben wird. Ein kleiner Stilbruch, der neugierig macht.
Faktisch bringt das Bier 5,0 % Alkohol mit und kommt auf 12,3 °P Stammwürze. Unfiltriert und nicht pasteurisiert verspricht es Eigenschaften, die man eher von einem Keller- oder Lagerbier erwarten würde als von einem klassischen Pils.

Farbe, Duft und Krone
Im Glas zeigt sich das Bier nur leicht eingetrübt und deutlich klarer, als das Etikett vermuten lässt. Die Farbe bewegt sich im hellgelben Bereich, frisch und einladend. Der Schaum ist eher grobporig, aber stabil genug, um dem Bier einen ordentlichen Rahmen zu geben.
Aus der Dose strömt ein sehr angenehmer, getreidiger Duft: frisch, sauber, unaufdringlich. Keine aggressive Hopfennase, sondern eher der Eindruck von frisch geschrotetem Malz und heller Brotrinde.

Einstieg
Der erste Kontakt im Mund überrascht durch seine Sanftheit. Das Bier gleitet nahezu cremig über den Gaumen, mit einem sehr runden, weichen Mundgefühl. Fast schleicht sich eine leichte Vanillenote ein – subtil, aber wahrnehmbar – die dem Antrunk zusätzliche Tiefe gibt. Von einer pilsentypischen Hopfenkante ist hier noch nichts zu spüren.

Körper und Geschmack
Im Hauptteil bleibt das Bier bemerkenswert ausgewogen. Der Körper ist voll, aber nicht schwer, getragen von malzigen, getreidigen Noten. Hopfen spielt eine Nebenrolle und sorgt eher für Struktur als für Dominanz. Genau hier zeigt sich: Das „Pilsner“ auf dem Etikett ist eher Marketing als Stilbeschreibung. Sensorisch bewegt sich das Bier klar näher an einem sehr milden, hellen Lager.

Abgang
Zum Ende hin melden sich leichte herbe Noten, die dem Bier Rückgrat verleihen, ohne den harmonischen Gesamteindruck zu stören. Nichts kratzt, nichts wird spitz – der Abgang bleibt ruhig, sauber und angenehm kurz bis mittellang.

Kohlensäure
Die Kohlensäure ist gut eingebunden. Sie sorgt für Frische und Präsenz, ohne je aggressiv zu wirken. Im Glas eher zurückhaltend sichtbar, entfaltet sie sich im Mund genau dort, wo sie soll.

Süffigkeit
Durch seine Sanftheit und die fehlende Hopfenattacke ist das Bier sehr gut trinkbar. Vielleicht sogar gefährlich trinkbar. Die Süffigkeit leidet höchstens minimal unter dem vergleichsweise vollen Mundgefühl – ein Bier zum bewussten Trinken, aber keines, das ermüdet.

Fazit
Ob man dieses Bier nun Pils nennt oder nicht, ist am Ende zweitrangig. Wichtig ist, was im Glas passiert – und das überzeugt. Ein überraschend mildes, rundes, sehr harmonisches Bier mit starkem Design und klarer handwerklicher Handschrift. Kein Kantenbeißer, kein Hopfenhammer, sondern ein ehrliches, angenehm zugängliches Lager mit Charakter. Ein Bier, das man gerne austrinkt und das keinen unzufrieden zurücklässt.

zur Brauerei
Gebraut wird dieses Bier von der Mammut Beer Factory aus Nikšić, einer Stadt, die so etwas wie das Bierzentrum Montenegros ist. Hier hat auch das landesweit bekannte Nikšićko seinen Ursprung. Mammut steht dabei für eine jüngere, kleinere Brauerei, die sich bewusst zwischen Craft-Anspruch und regionaler Biertradition positioniert – mit eigenständigem Design und dem Mut, klassische Stile frei zu interpretieren.

Peja Premium Lager

Die kleine grün schimmernde 0,25-Liter-Flasche des Birra Peja Premium Lager wirkt wie ein Miniaturgruß aus den Bergen rund um die Stadt Peja: schlicht gehalten, mit einem goldenen Wappen und einer Ähre, die auf die lokale Brautradition verweisen. Das Bier bringt 5,0 % Alkohol und 11,5 °P Stammwürze mit und wird mit dem markanten Hinweis „Brewed with 100% Rocky Mountain Water“ beworben – gemeint ist natürlich das Gebirgswasser aus dem Rugova-Tal, nicht der Colorado-Urlaub. Der erste Eindruck deutet auf ein ehrliches, geradliniges Lager hin. Ob der Inhalt das Versprechen einlöst, zeigt sich beim Probieren.

Farbe, Duft und Krone
Beim Öffnen strömt ein kurzer, hopfenbetonter Duft hervor, der sich jedoch rasch beruhigt und einer milden, getreidigen Note Platz macht. Im Glas zeigt sich das Bier glanzklar in einem kräftigen Goldton. Die Schaumkrone fällt eher knapp aus und verabschiedet sich zügig. Sichtbar ist nur wenig Kohlensäureaktivität.

Einstieg
Der erste Schluck legt einen angenehm runden Auftakt hin: weich, ausgewogen und harmonisch, ohne hopfige Schärfe oder malzige Wucht. Ein Lager, das sich sofort trinkbar zeigt.

Körper und Geschmack
Mit zunehmender Präsenz zeigt sich ein sauber austariertes Geschmacksbild. Der Hopfen tritt nach der überraschenden Duftnote eher in den Hintergrund, während eine leichte malzige Süße den Körper prägt. Das Bier wirkt vollmundig, ohne schwer zu werden – ein angenehm kompakter, aber nicht überladener Geschmackskörper.

Abgang
Im Nachhall übernimmt die malzige Süße endgültig die Führung, begleitet von einer dezenten Getreidenote. Der Abgang bleibt weich und unaufgeregt, hält aber angenehm lange an, ohne sich aufzudrängen.

Kohlensäure
Auch wenn im Glas wenig zu sehen ist, arbeitet die Kohlensäure im Mund zuverlässig. Sie trägt das Bier sauber durch alle Geschmacksebenen und verteilt es gleichmäßig, ohne je scharf oder prickelnd zu wirken.

Süffigkeit
Durch seine Balance, die moderate Kohlensäure und die kleine Flaschengröße wirkt das Birra Peja Premium Lager ausgesprochen süffig. Es bleibt frisch, unkompliziert und lädt direkt zum nächsten Schluck ein.

Fazit
Ein rundes, sehr angenehm trinkbares Lager, das zeigt, wie viel man aus einem klassischen Stil herausholen kann. Keine Extreme, keine Brüche – stattdessen ein gut komponiertes, ehrliches Bier, das zu überzeugen weiß. In der Produktpalette von Birra Peja dürfte es durchaus zu den stärkeren Vertretern gehören.

zur Brauerei
Birra Peja ist seit ihrer Gründung im Jahr 1971 die wichtigste und bekannteste Brauerei des Kosovo. Sie liegt am Fuß der Rugova-Berge, deren Wasser traditionell als Grundlage der Biere dient. Auch wenn Peja längst zu einem großen Hersteller geworden ist, setzt die Brauerei weiterhin auf eine Mischung aus regionaler Identität und technischer Modernisierung. Interessant ist zudem der historische Einfluss deutscher Braumeister, deren Rezepturen und Methoden dem heutigen Bierstil der Brauerei ihren Stempel aufgedrückt haben.

Niško Svetlo Pivo

Das zurückhaltend gestaltete Etikett des Niško Svetlo Pivo versprüht dezenten Retro-Charme: Ein angedeutetes Stadttor im Hintergrund verweist auf die Geschichte der Stadt Niš, in der schon Konstantin der Große geboren wurde. Hopfenzweig und Gerstenähre rahmen den Schriftzug ein – klassisch, unspektakulär, aber stimmig. Mit 4,7 % Alkohol und einer Stammwürze im Bereich eines typischen serbischen Lagers (etwa 10,5–11,5 °P) bewegt sich das Bier klar im Segment der unkomplizierten Alltagslager. Doch der Duft lässt bereits erahnen, dass hier etwas mehr drinsteckt.
Ein Bier, das sich zunächst unscheinbar zeigt, dann aber deutlicher spricht – und genau das macht neugierig.

Farbe, Duft und Krone
Schon der Duft ist ein kleines Ausrufezeichen: intensiv getreidig, warm, fast so, als würde man einmal kräftig durch ein Kornfeld pflügen. Im Glas legt das Lager eine kräftige goldene Farbe vor, die durchaus überrascht. Die Kohlensäure wirkt optisch eher zurückhaltend; der Schaum kommt leicht grobporig, aber immerhin in sichtbarer Menge.

Einstieg
Der erste Schluck bestätigt sofort die aromatische Versprechung der Nase: ein breiter, unverkennbar malz- und getreidebetonter Einstieg, der dem Bier eine klare Kante gibt. Trotz der visuell dezenten Kohlensäure breitet sich das Bier im Mund erstaunlich schaumig aus.

Körper und Geschmack
Der Körper zeigt sich stabil, präsent, aber ohne Schwere. Die Getreidenote dominiert – passend zu einem Lager, das bewusst nicht hopfenbetont auftreten möchte. Ein leichter Malzfilm setzt sich angenehm an den Gaumen, ohne süß zu werden. Das Bier wirkt bodenständig, ehrlich und erstaunlich intensiv.

Abgang
Der Nachklang bleibt malzig und getreidig, angenehm warm und überraschend klar umrissen. Keine Bitternote, die stört, keine Süße, die klebt – ein sauberer Abschluss.

Kohlensäure
Im Mund deutlich präsenter als im Glas. Die feine, aber flächige Spritzigkeit macht das Bier lebendig, mindert aber minimal die Süffigkeit, weil es sich so stark ausbreitet.

Süffigkeit
Grundsätzlich gut trinkbar, aber nicht komplett bedenkenlos wegzuschlürfen: Die Schaumigkeit im Mund bremst ein wenig, ohne das Trinkvergnügen zu mindern.

Fazit
Ein Lager, das weit besser ist, als sein zurückhaltendes Äußeres vermuten lässt. Intensiver Duft, klarer getreidiger Charakter und ein stabiler Körper machen das Niško zu einer durchaus lohnenden regionalen Alternative zu den großen serbischen Standardmarken. Wer Lust hat, sich geschmacklich vom Mainstream ein Stück zu entfernen, findet hier ein angenehm ehrliches, solides Bier – charaktervoll ohne Allüren.

zur Brauerei
Die Niška Pivara, gegründet 1884, ist eine der traditionsreichsten Brauereien Serbiens. Ihr Niško Bier gilt vielen im Süden des Landes als heimische Identitätsmarke. Die Brauerei ist fest in der Region verwurzelt und produziert vor allem klassische Lagerbiere, die für ihren getreidigen Charakter und ihre unkomplizierte Trinkbarkeit bekannt sind.

Helles Pülleken

Das helle Pülleken präsentiert sich in einer unterhaltsam gestalteten Dose: ein Narr im Fass, getragen von zwei fröhlichen Burschen – ein Spiel mit traditioneller Bierfolklore, das sofort Sympathiepunkte sammelt. Auch sprachlich bewegt sich das Design charmant zwischen Niederdeutsch und Mundart. Mit 5,2 % Alkoholgehalt und einer Stammwürze um die 11,5 °P ist das Bier klassisch eingeordnet. Interessant ist, wie Veltins – eigentlich eine Pilsbrauerei – sich hier an ein mildes, helles Landbier wagt. Ob das Pülleken so verspielt schmeckt, wie es aussieht?

Farbe, Duft und Krone
Schon beim Öffnen zeigt sich ein frischer, typisch heller Duft – sauber, etwas malzig, nichts Aufdringliches. Im Glas leuchtet das Bier in einer sehr intensiven goldenen Farbe, glasklar filtriert. Der Schaum ist nur spärlich vorhanden und zudem recht flüchtig, eher grob als fein. Insgesamt ein ruhiges, klassisch anmutendes Bild, das sich deutlich vom naturtrüben Landbier-Look absetzt, den die Dose zunächst vermuten ließ.

Einstieg
Der geschmackliche Auftakt zeigt sich mild und angenehm rund. Das Bier wirkt sofort zugänglich und weich, ohne besondere Ecken oder Spitzen. Alles gleitet sanft an – ein unaufgeregter, freundlicher Einstieg, der den Charakter des gesamten Bieres bereits gut abbildet.

Körper und Geschmack
Hier entfaltet sich ein leicht süßlicher, malzgeprägter Körper, der sich breit und gleichzeitig weich im Mund absetzt. Es wirkt fast ein wenig sämig: keine Schärfe, keine übertriebene Spritzigkeit, sondern ein ruhiges, gleitendes Mundgefühl. Der Hopfen bleibt deutlich im Hintergrund, setzt aber vereinzelte kleine Akzente. Der Eindruck erinnert tatsächlich an eine klare Variante des Grevensteiner Landbieres – leicht, rund, unaufdringlich und gutmütig. Geschmacklich keine große Dramaturgie, dafür eine sehr stimmige, weiche Linie.

Abgang
Im Abgang bleibt ein sanftes, malziges Echo zurück, das angenehm ist, aber nicht lange nachhallt. Alles bleibt weich, harmonisch, leicht süßlich. Eine Bittere ist kaum spürbar, stattdessen verabschiedet sich das Bier fast so zurückhaltend, wie es eingestiegen ist.

Kohlensäure
Die Kohlensäure ist deutlich reduziert. Schon im Glas steigen kaum Bläschen auf, und im Mund zeigt sich das Bier fast cremig – sämig ohne Schwere. Sie unterstützt die Trinkbarkeit, ohne je in den Vordergrund zu treten.

Süffigkeit
Das Pülleken ist ausgesprochen süffig. Die milde Kohlensäure, der weiche Körper und das rund ausbalancierte Geschmacksbild machen es zu einem Bier, das sich sehr leicht trinken lässt. Ein echter Feierabendbegleiter ohne Anspruch an Aufmerksamkeit.

Fazit
Ein angenehm entspanntes Helles: mild, weich, sämig, süffig und völlig frei von Dramatik. Es ist kein Bier, das mit Individualität oder Hopfenprofil prahlt, sondern eines, das bewusst die leisen Töne spielt. Ein unkomplizierter, freundlicher Begleiter – und die kleine 0,33-Dose passt perfekt zu seinem sanften Charakter.

zur Brauerei
Die Brauerei C. & A. Veltins wurde 1824 im sauerländischen Grevenstein gegründet und zählt heute zu den bedeutendsten Privatbrauereien Deutschlands. Ihren Ruf verdankt sie vor allem dem Veltins Pilsener, das für klare Linien und Präzision steht. Trotz industrieller Größe versteht sich Veltins weiterhin als Familienunternehmen, das Tradition, Qualität und regionale Verwurzelung verbindet – und dabei immer wieder den Mut zeigt, auch neue Wege zu gehen.

Finne Helles

Das Finne Helles präsentiert sich mit einem angenehm klar gestalteten Etikett, auf dem die Arkaden des Münsteraner Prinzipalmarkts von einer überdimensionierten Hopfendolde überragt werden. Dieses Bild gibt dem Bier sofort eine regionale Verankerung – und gleichzeitig einen kleinen stilistischen Twist, der für ein Helles durchaus ungewöhnlich wirkt. Mit 4,9 % Alkohol und einer Stammwürze von 11,4°P sowie gleich drei eingesetzten Hopfensorten deutet das Bier bereits auf eine Interpretation hin, die über das rein Malzige hinausgeht. Genau dieser kleine Bruch mit der Erwartung macht neugierig, wie sich das Helle im Glas und am Gaumen entwickelt.

Farbe, Duft und Krone
Beim Einschenken zeigt sich ein naturtrüber, hellgelber Ton, der die Bio-Handschrift des Bieres direkt unterstreicht. Trotz der sichtbaren Kohlensäure wirkt das Bier im Glas eher ruhig, fast gelassen. Die Schaumkrone ist moderat ausgeprägt, bleibt aber kurz genug, um nicht weiter aufzufallen. In der Nase entfaltet sich ein angenehm aromatischer Duft, malzbetont und mit einer warmen, runden Note, die sofort einladend wirkt.

Einstieg
Der Auftakt im Mund überrascht dann mit einer klaren, markanten Spitze. Eine einzelne Geschmacksnote setzt sich kurzzeitig vom ansonsten sehr runden Profil ab – kaum zu greifen, aber unverkennbar. Sie wirkt leicht herb, schlank und präzise, als wolle sie den klassischen Malzkörper kurz wachschütteln, bevor sie sich elegant wieder einfügt. Dieser kleine Ausreißer macht den Einstieg lebendiger, als man es bei einem Hellen erwarten würde.

Körper und Geschmack
Im Mittelteil entfaltet das Bier ein harmonisches Zusammenspiel aus Malz und Hopfen. Der Körper bleibt angenehm breit, ohne schwer zu wirken, und die Hopfenbetonung sorgt für eine sanfte Struktur, die dem Bier Charakter verleiht. Die zuvor erwähnte Spitze fügt sich nun vollständig in den Gesamteindruck ein und unterstreicht, dass dieses Helle ein wenig mehr will, als nur gefällig zu sein.

Abgang
Der Abgang bleibt eher ruhig, leicht herb und gut ausbalanciert. Die markante Note klingt zügig ab und macht Platz für einen entspannten Abschluss ohne Bitterstau. Das Bier verabschiedet sich freundlich, ohne großen Nachhall, dafür aber mit einem klaren, frischen Eindruck.

Kohlensäure
Die Kohlensäure ist deutlich vorhanden, aber erstaunlich unaufgeregt. Im Glas kaum sichtbar, am Gaumen angenehm feinperlig – genau richtig, um das Bier frisch zu halten, ohne es nervös zu machen.

Süffigkeit
Die Süffigkeit ist solide, wenn auch nicht überragend. Das Bier wirkt eher wie ein Begleiter für warme Tage, ein sommerlicher Durstlöscher mit Charakter. Es trinkt sich angenehm, aber nicht so leichtfüßig, dass man gedankenlos nachschenkt – dafür ist die Aromatik zu markant.

Fazit
Ein spannendes Helles, das mit einem kleinen, aromatischen Akzent aus dem üblichen Schema ausbricht. Handwerklich sauber, geschmacklich eigenständig, gut balanciert und mit einer Leichtigkeit, die hervorragend in einen Münsteraner Sommer passt – sei es am Aasee oder im Kreuzviertel. Wer ein Helles mit etwas mehr Persönlichkeit sucht, liegt hier richtig.

zur Brauerei
Diese Brauerei, die sich selbst das Label „Craft Beer“ aufdrückt, stammt aus dem Kreuzviertel der westfälischen Fahrradmetropole Münster. Alle Biere werden nach Bio-Standard gebraut und die Auswahl kann sich sehen lassen: Helles, Weizen, Pils, Pale Ales und auch einige fruchtige Experimente. Der Name stammt übrigens aus der Münsteraner Lokalsprache „Masematte“ und bedeutet schlicht und ergreifend „Flasche“. Diese werden in der Brauerei auch fleißig gefüllt!

Paderborner Pilger

Die Dose macht gleich klar, wohin die Reise geht: ein Pilger mit Stab und Bierkrug, der Paderborner Dom im Hintergrund, dazu ein rustikales, fast schon folkloristisches Design – ein Landbier, das sich gern als traditionsverbunden zeigt. Naturtrüb steht drauf, bodenständig soll es wirken. Ob sich hinter dieser Optik ein stimmiges Bier verbirgt, merkt man spätestens beim ersten Öffnen.

Farbe, Duft und Krone
Der Duft ist ein echter Stolperstein. Was aus der Dose aufsteigt, wirkt dumpf, muffig und irritierend – eher ein Fehlton als ein Bieraroma. Optisch hingegen erscheint das Pilger deutlich zahmer: ein dunkler Bernstein, leicht getrübt, mit einem gröberen, aber halbwegs stabilen Schaum.

Einstieg
Der Antrunk überrascht positiv. Der Geschmack startet deutlich angenehmer als der Duft vermuten lässt: malzbetont, weich und rund. Ein Einstieg, der fast erleichtert.

Körper und Geschmack
Der Körper bleibt weiterhin stark im Malz verankert, solide und voll, ohne besondere Ausschläge. Hopfennoten halten sich weit zurück. Die Kohlensäure zeigt im Mund deutlich mehr Präsenz als im Glas und sorgt dafür, dass das Bier lebendiger wirkt, als man nach dem Geruch erwarten würde.

Abgang
Der Abgang verhallt mild und unaufgeregt. Malzig, rund, ohne Schärfe und ohne echte Spitzen – weder im Guten noch im Schlechten.

Kohlensäure
Im Glas eher verhalten, am Gaumen dann überraschend aktiv. Sie trägt das Bier gut, ohne zu beißen.

Süffigkeit
Der Körper wäre durchaus süffig, das Bier insgesamt gut trinkbar – wäre da nicht die Nase. Jeder neue Schluck wird von diesem unglücklichen Duft begleitet, und das bremst den Trinkfluss eindeutig aus.

Fazit
Ein Bier wie eine kleine Bußübung: geschmacklich besser als erwartet, aromatisch jedoch klar aus der Spur. Ein runder, malziger Körper, solide Kohlensäure – aber ein Duft, der den guten Willen wirklich auf die Probe stellt.

zur Brauerei
Die Paderborner Brauerei ist ein traditionsreicher Großproduzent, der früh auf erneuerbare Energien setzte und heute ein breites Sortiment anbietet. Mit der naturtrüben Linie versucht man, handwerkliche und regionale Akzente zu setzen – mit gemischtem Erfolg, wie das Pilger zeigt.

Grevensteiner Landbier

Das Grevensteiner Original aus dem Hause C. & A. Veltins ist eine Rückbesinnung auf alte Brautradition – ein naturtrübes Bier, das mit seiner cremefarbenen Dose, dem klassisch verspielten Wappen und dem handwerklichen Auftritt einen deutlichen Kontrast zum sonstigen Veltins-Image setzt. Die Sauerländer Brauerei, sonst als Pils-Marke bekannt, wagt hier den Schritt in eine andere Stilwelt. Doch kann ein großer Name auch im rustikalen Gewand überzeugen?

Farbe, Duft und Krone
Im Glas zeigt sich das Bier überraschend dunkel, fast bernsteinfarben, mit einer leichten Trübung. Der Schaum ist fein und stabil, von ansprechender Konsistenz. Der Duft erinnert an frisches Malz, mit einem leichten Hauch von Getreide und einer dezenten, angenehmen Frische – ein ehrlicher, unaufdringlicher Einstieg.

Einstieg
Der erste Schluck wirkt weich und rund. Die Kohlensäure, im Glas noch lebhaft, hält sich im Mund angenehm zurück. Stattdessen entfaltet sich ein sanfter, vollmundiger Körper, der auf Balance und Harmonie setzt, weniger auf Schärfe oder Ecken.

Körper und Geschmack
Das Bier ist ausgewogen: malzig-warm im Grundton, mit feinen, leicht hopfigen Akzenten. Es wirkt robust, ohne schwer zu sein, und bringt die Aromen in eine sehr stimmige Balance. Es hat keine ausgeprägte Charakterspitze, aber dafür eine bemerkenswerte Geschlossenheit.

Abgang
Im Abgang zeigt sich eine feine Herbe, die den Malznoten elegant den Rücken stärkt. Das Bier klingt weich und rund aus, ohne sich aufzudrängen – unaufgeregt, aber zufriedenstellend.

Kohlensäure
Die Kohlensäure ist dezent und angenehm eingebunden. Sie verleiht Frische, ohne das Bier spritzig zu machen, und unterstützt die milde Struktur.

Süffigkeit
Hier überzeugt das Grevensteiner voll: mild, weich und rund – ein Bier, das ohne Anstrengung läuft. Ideal für alle, die ein unkompliziertes, aber gut gemachtes Bier schätzen.

Fazit
Das Grevensteiner Original ist ein Bier der stillen Töne. Es verzichtet auf Extreme, bleibt aber handwerklich solide, süffig und erstaunlich ausgewogen. Kein aufregendes Erlebnis, aber eines, das man gern wiederholt – ein Bier, das mit Ruhe und Beständigkeit überzeugt.

zur Brauerei
Die Brauerei C. & A. Veltins wurde 1824 im sauerländischen Grevenstein gegründet und zählt heute zu den bedeutendsten Privatbrauereien Deutschlands. Ihren Ruf verdankt sie vor allem dem Veltins Pilsener, das für klare Linien und Präzision steht. Trotz industrieller Größe versteht sich Veltins weiterhin als Familienunternehmen, das Tradition, Qualität und regionale Verwurzelung verbindet – und dabei immer wieder den Mut zeigt, auch neue Wege zu gehen.

Sud 1

Das Sud 1 aus der Brauerei Molter im oberpfälzischen Irchenrieth ist ein Bio-Helles, das auf Understatement setzt – schlicht etikettiert, naturtrüb, handwerklich gebraut. Der Hinweis „hopfig“ auf der Flasche macht neugierig, denn beim Hellen steht normalerweise das Malz im Vordergrund. Doch die kleine Familienbrauerei Molter hat offenbar keine Angst vor eigenen Akzenten. Ein Landbier mit Haltung also – und vielleicht mit mehr Charakter, als man zunächst erwartet.

Farbe, Duft und Krone
Im Glas zeigt sich das Sud 1 in einem schönen, bernsteinfarbenen Ton, leicht getrübt und damit wunderbar naturbelassen. Der Schaum überzeugt mit feiner Struktur und überraschend guter Standfestigkeit – kein flüchtiger Gast, sondern einer, der bleibt. Der Duft ist frisch, leicht hopfenbetont, aber ohne zu drängen. Eine dezente Malznote schwingt im Hintergrund mit.

Einstieg
Der erste Schluck ist weich, fast schmeichelnd, und doch präsent. Das Bier breitet sich angenehm im Mund aus und verrät sofort, dass hier handwerklich gearbeitet wurde.

Körper und Geschmack
Der Körper ist kräftig und vollmundig, dabei fein ausbalanciert zwischen Malz und Hopfen. Beide Seiten begegnen sich auf Augenhöhe – das Malz bringt die runde, getreidige Basis, der Hopfen steuert eine angenehm herbe Frische bei. Für ein Helles wirkt das Sud 1 ausgesprochen charakterstark, ja fast schon mutig in seiner Hopfenführung, ohne seine süffige Identität zu verlieren.

Abgang
Im Abgang entfaltet sich die herbe Seite deutlicher, bleibt aber harmonisch eingebettet in den weichen Gesamteindruck. Hier zeigt sich das Bier mit einer feinen, trockenen Note, die Lust auf den nächsten Schluck macht.

Kohlensäure
Die Kohlensäure ist perfekt abgestimmt: sanft, aber lebendig genug, um das Bier frisch und cremig zugleich wirken zu lassen.

Süffigkeit
Ein Helles mit Charakter, das sich trotzdem mühelos trinken lässt. Vielleicht nicht das Bier für den schnellen Durst, aber eines, das man aufmerksam genießt.

Fazit
Das Sud 1 der Brauerei Molter ist ein Paradebeispiel für modernes Landbierhandwerk. Es vereint regionale Bodenständigkeit mit einem selbstbewussten, hopfenbetonten Auftritt – und zeigt, dass auch ein Helles Haltung haben kann.

zur Brauerei
Die Brauerei Molter in Irchenrieth besteht seit 1866 und wird heute in fünfter Generation als Familienbetrieb geführt. Der Fokus liegt auf traditioneller Braukunst, regionalen Rohstoffen und ökologischer Verantwortung. Seit einigen Jahren setzt man konsequent auf Bio-Qualität – ein Weg, der sich im Geschmack und in der Philosophie der Biere deutlich widerspiegelt.

Floss Vollbier Hell

Das Vollbier Hell aus dem Brauhaus Floss ist ein vergleichsweise junger Vertreter einer alten Brautradition. Die Brauerei wurde 2015 gegründet, knüpft aber bewusst an die lange Geschichte des Bierbrauens im Ort Floß an – irgendwo zwischen Traditionsbewahrung und moderner Handschrift. Das Etikett gibt sich schlicht, fast retro mit seinen gepunkteten Linien, verrät aber wenig über das, was einen im Glas erwartet. Ein helles Vollbier also – aber was heißt das konkret? Finden wir’s heraus.

Farbe, Duft und Krone
Im Glas zeigt sich das Bier leicht trüb und hell in der Farbe, fast zartgolden. Der Schaum ist grobporig und verabschiedet sich leider recht zügig – hier bleibt optisch Luft nach oben. Der Duft ist angenehm frisch, leicht malzig, mit deutlichen Getreidenoten, aber ohne übermäßige Süße oder intensive Aromen.

Einstieg
Beim ersten Schluck fällt sofort die starke Kohlensäure auf. Das Bier wirkt lebendig und spritzig, beinahe übermütig in seiner Sprudeligkeit. Der Geschmack setzt kräftiger ein, als man es vom eher milden Duft erwarten würde.

Körper und Geschmack
Ein solides Helles mit prägnantem Körper, das trotzdem leichtfüßig bleibt. Der Malzcharakter bildet das Rückgrat, getreidig und klar, während der Hopfen im Hintergrund nur dezent wirkt. Durch die reichlich vorhandene Kohlensäure verteilt sich das Bier gleichmäßig im Mund und bringt seine Aromen gut zur Geltung, ohne schwer zu wirken. Eine ganz feine, fast säuerliche Note rundet das Bild ab und sorgt für Frische.

Abgang
Im Abgang überwiegt wieder das Getreidige, begleitet von dieser leichten, weichen Säure, die das Bier nicht stört, sondern ihm einen kleinen Eigencharakter verleiht. Der Nachgeschmack verweilt kurz, bleibt mild und sauber.

Kohlensäure
Hier wurde nicht gespart – das Bier ist sehr stark karbonisiert. Die Spritzigkeit bringt Leben ins Glas, lässt den Schaum aber überraschend schnell verschwinden. Ein Paradoxon, das man dem Brauhaus vielleicht irgendwann noch austreiben kann.

Süffigkeit
Durch seine Leichtigkeit, das moderate Alkoholvolumen und die frische Kohlensäure ist das Vollbier Hell äußerst süffig. Ein Bier, das man gern und ohne große Anstrengung trinkt – vor allem an warmen Tagen.

Fazit
Ein ehrliches, handwerklich solides Helles, das durch Frische, Lebendigkeit und einen angenehm kräftigen Körper punktet. Optisch kein Star, geschmacklich aber ein bodenständiger und erfreulich trinkfreudiger Begleiter.

zur Brauerei
Das Brauhaus Floss wurde 2015 in der Oberpfalz gegründet und versteht sich als moderne Handwerksbrauerei, die auf regionale Zutaten und traditionelle Braumethoden setzt. Trotz ihres jungen Alters knüpft sie an die jahrhundertealte Braukultur des Ortes Floß an und beweist, dass man auch mit schlichter Aufmachung und klarer Linie ein gutes Bier auf die Beine stellen kann.

Zaječarsko Svetlo Pivo

Das Zaječarsko Svetlo Pivo stammt aus der traditionsreichen Zaječarska Pivara im Osten Serbiens. Die Brauerei wurde bereits 1895 gegründet und ist heute Teil des Heineken-Konzerns. Trotz dieser Einbindung hält man in Zaječar am regionalen Charakter fest – die rote Dose mit dem Brauereigebäude im Industrie-Design erinnert an die Geschichte des Ortes und seine Verwurzelung in der Region. Das Bier selbst versteht sich als klassisches serbisches Lager mit 4,5 % Alkoholgehalt – schlicht, ehrlich, ohne große Gesten.

Farbe, Duft und Krone
Im Glas zeigt sich das Bier in einem klaren, intensiven Goldton, glänzend filtriert. Der Schaum ist für ein Lager erstaunlich stabil und feinporig in Teilen, was schon mal einen guten ersten Eindruck macht. In der Nase hält sich das Zaječarsko jedoch zurück: ein Hauch Malz, sonst wenig, was sich deutlich hervortut.

Einstieg
Der erste Schluck wirkt zunächst unscheinbar. Kein lauter Auftritt, keine Dominanz von Hopfen oder Malz – das Bier tastet sich sanft heran, wirkt leicht und unaufgeregt.

Körper und Geschmack
Mit der Zeit zeigt sich, dass im Körper doch etwas mehr steckt, als man zu Beginn vermutet hätte. Das Zaječarsko besitzt eine angenehm runde, weiche Struktur, bleibt aber stets im leichten Segment. Malz und Getreide geben den Ton an, während die Bittere erst im späteren Verlauf langsam an Fahrt aufnimmt. Keine allzu große Komplexität, aber eine ehrliche, saubere Linie.

Abgang
Hier entfaltet das Bier dann seinen Charakter. Eine zarte Herbe setzt ein, die leicht an ein Pils erinnert, aber nie unangenehm wirkt. Der Abgang ist trocken, klar und durchaus erfrischend – eine Qualität, die man dem Bier nach dem zurückhaltenden Einstieg gar nicht sofort zugetraut hätte.

Kohlensäure
Die Kohlensäure ist gut dosiert. Nicht zu spritzig, aber ausreichend, um das Bier frisch und lebendig zu halten.

Süffigkeit
Ein ausgesprochen süffiges Bier. Leicht, unaufdringlich und unkompliziert. Eines jener Biere, die man gut nebenbei trinken kann – und das ist keineswegs negativ gemeint.

Fazit
Das Zaječarsko Svetlo Pivo ist ein ehrliches Lager ohne Schnickschnack. Es trumpft nicht auf, aber enttäuscht auch nicht. Ein solides Bier, das sich mit jedem Schluck etwas mehr öffnet und zeigt, dass Einfachheit manchmal die angenehmste Form von Qualität ist.

zur Brauerei
Die Zaječarska Pivara wurde 1895 gegründet und zählt zu den ältesten Brauereien Serbiens. Ihren Sitz hat sie in der Stadt Zaječar nahe der bulgarischen Grenze. Seit einigen Jahren gehört sie zum Heineken-Konzern, produziert aber weiterhin unter ihrem historischen Namen. In Serbien gilt das Zaječarsko als Klassiker – ein Bier, das in Supermärkten, Bars und auf Festivals gleichermaßen präsent ist und für viele einfach zum Alltag dazugehört.