Vergina Lager

Aus dem Nordosten Griechenlands, genauer gesagt aus Komotini, stammt das Vergina Lager der Macedonian Thrace Brewery. Die Brauerei wurde Ende der 1990er Jahre gegründet und legt besonderen Wert auf Regionalität – Gerste aus griechischem Anbau und Wasser aus den Rhodopen sollen hier ein Stück Heimat ins Glas bringen. Das Lager selbst tritt in einer schlichten, blauen Dose auf, mit einem wappenartigen Emblem, das an den Löwen von Vergina erinnert – Symbol für Stärke und Tradition.

Farbe, Duft und Krone
Beim Einschenken zeigt sich das Vergina Lager in einem hellen Gelbton, fast blass, dabei leicht getrübt. Der Schaum ist schnell vergänglich, kaum stabil und hinterlässt nach wenigen Sekunden nur noch einen feinen Film. Im Duft dominiert das Malz – angenehm, aber recht intensiv, mit einer leichten Süße und getreidigen Untertönen.

Einstieg
Der erste Schluck wirkt solide, ohne aufdringlich zu sein. Die malzigen Noten setzen sich fort, ein Hauch Süße schwingt mit. Es bleibt aber zunächst beim Erwartbaren, keine geschmacklichen Überraschungen.

Körper und Geschmack
Das Vergina präsentiert sich als leichtes Lager mit einem schmalen Körper. Im Mittelteil flacht der Geschmack deutlich ab, fast wässrig. Nur zarte Getreidenoten bringen noch etwas Struktur hinein. Hopfenbittere ist kaum wahrnehmbar, ebenso wenig Frucht oder Würze. Insgesamt wirkt das Bier angenehm mild, aber auch etwas spannungsarm.

Abgang
Im Abgang bleibt ein feiner, getreidiger Nachhall zurück. Die anfänglich süßliche Malznote wird durch eine leicht trockene Note abgelöst, die aber nicht lange anhält.

Kohlensäure
Der Kohlensäuregehalt ist moderat und erfüllt seinen Zweck, ohne besondere Akzente zu setzen. Der fehlende Schaum spricht dafür, dass die Spritzigkeit recht kurzlebig ist.

Süffigkeit
Sicherlich süffig – einfach zu trinken, leicht, unaufdringlich. Aber diese Leichtigkeit geht auch auf Kosten der Charaktertiefe. Ein Bier, das man gut nebenbei genießen kann, ohne es lange in Erinnerung zu behalten.

Fazit
Das Vergina Lager ist ein grundsolides griechisches Lagerbier, das vor allem durch seine regionale Herkunft punktet. Geschmacklich bleibt es jedoch im Mittelfeld: mild, rund, aber unspektakulär. Wer ein einfaches, ehrliches Bier sucht, das sich gut in der Sommerhitze trinken lässt, wird hier fündig – wer mehr erwartet, wird weiterziehen.

zur Brauerei
Die Macedonian Thrace Brewery S.A. wurde 1998 in Komotini gegründet und gilt als eine der wenigen unabhängigen Brauereien Griechenlands. Ihr Anspruch: hochwertige Biere aus griechischen Rohstoffen. Mit der Marke Vergina schuf sie ein Symbol regionaler Identität – ein Bier, das die moderne griechische Braukunst repräsentieren soll, ohne ihre Wurzeln zu verleugnen.

Vrhunski Magistar Lager

Das Vrhuski Magistar stammt aus der Akademija Piva in Podgorica, Montenegros aufstrebender Craft-Brauerei. Schon das Dosenmotiv verrät eine gewisse Selbstironie: Ein jubelnder Absolvent steht auf einem Berg aus Bierflaschen, die Arme zum Himmel erhoben. Das Bier versteht sich als unfiltriertes, unpasteurisiertes Lager – also als naturbelassene, ehrliche Braukunst. Mit 5 % Alkoholgehalt verspricht es ein klassisches, aber frisches Trinkerlebnis.

Farbe, Duft und Krone
Im Glas zeigt sich das Magistar in einem dunklen Gelbton, leicht getrübt und mit üppigem, feinporigem Schaum. Der Duft ist dezent, beinahe unauffällig – keine markanten Hopfen- oder Malznoten, sondern ein milder, neutraler Geruch, der lediglich eine ganz feine säuerliche Nuance andeutet.

Einstieg
Der erste Schluck bestätigt diesen zurückhaltenden Eindruck. Der Körper ist leicht, die Aromen sanft, fast schüchtern. Im Hintergrund schwingt eine leichte Säure mit, die dem Bier eine gewisse Frische verleiht, ohne es kantig wirken zu lassen.

Körper und Geschmack
Im Verlauf entfaltet sich das Magistar behutsam. Der Geschmack bleibt insgesamt mild, gewinnt aber eine weiche, fast cremige Textur. Ganz im Hintergrund blitzt eine dezente Vanillenote auf – zart genug, um als kleine Überraschung zu wirken. Ansonsten bleibt das Bier seinem Charakter treu: ruhig, unkompliziert, unaufdringlich.

Abgang
Der Abgang ist kurz und sanft. Eine Mischung aus leichter Säure und milder Süße klingt nach, ohne sich festzusetzen. Es bleibt der Eindruck eines ehrlichen, schlichten Bieres.

Kohlensäure
Die Kohlensäure ist angenehm präsent und verteilt sich gleichmäßig im Mund. Sie trägt dazu bei, dass das Bier trotz seines sanften Geschmacks lebendig bleibt.

Süffigkeit
Mit seiner Leichtigkeit und Unkompliziertheit trinkt sich das Magistar mühelos. Es ist süffig und bekömmlich, wenngleich ohne besonderen Wiedererkennungswert.

Fazit
Ein naturbelassenes Lager, das auf Zurückhaltung setzt. Mild, leicht und erfrischend, aber ohne große Tiefe oder Aromenvielfalt. Ein Bier, das man gut trinken kann – aber nicht unbedingt in Erinnerung behält.

zur Brauerei
Die Akademija Piva (Beer Academy) aus Podgorica ist Montenegros erste unabhängige Craft-Brauerei. Gegründet wurde sie mit dem Ziel, die lokale Bierkultur auf ein neues Niveau zu heben. Die Brauerei produziert eine kleine, aber vielseitige Palette an Bieren – jedes mit einem akademischen Titel. Damit spielt man charmant mit dem Gedanken, dass Bierbrauen und Biertrinken eine Wissenschaft für sich sind. Besonders bekannt ist die Serie „Profesor“, „Magister“ und „Doktor“, die jeweils für unterschiedliche Stile und Charaktere stehen – vom klassischen Lager bis zum kräftigen Pale Ale.

Kamenitza Lager

Kamenitza – ein Name, der in Bulgarien fast synonym mit Bier ist. 1881 gegründet, gilt die Brauerei aus Plovdiv als die älteste des Landes. Auf dem Etikett sind gleich mehrere Selbstbekenntnisse zu lesen: das Wappen mit dem weißen K auf rotem Grund, flankiert von zwei Löwen, und darunter die Stadtsilhouette von Plovdiv. Ein Bier, das sich seiner Herkunft sehr bewusst ist – und das mit dem Anspruch, das erste bulgarische Bier zu sein, auch einiges an Erwartung weckt.

Farbe, Duft und Krone
Beim Öffnen der Flasche strömt sofort ein hopfenbetonter Duft hervor, klar und angenehm intensiv. Im Glas zeigt sich ein durchschnittlich goldgelber Farbton, recht klar, aber nicht glasklar. Der Schaum ist grobporig und verabschiedet sich rasch – kein Krönchen für die Ewigkeit. Insgesamt macht der optische Eindruck einen soliden, wenn auch unauffälligen Eindruck.

Einstieg
Der erste Schluck startet mit einer kurzen, fast spritzigen Attacke, die aber ebenso schnell wieder abflaut. Was zunächst kraftvoll beginnt, verläuft sich im Mund recht zügig. Der Körper zeigt sich nur in Andeutungen und bleibt insgesamt eher schwach ausgeprägt.

Körper und Geschmack
Das Bier ist von sehr leichter Struktur, fast schon zu leicht. Aromatisch bleibt es zurückhaltend, ohne sich je wirklich zu öffnen. Erst im weiteren Verlauf finden sich leichte Hopfennoten, die die Brücke zum Duft schlagen. Malz spielt hier kaum eine Rolle, Säure ebenso wenig – alles bleibt im Bereich des Dezenten.

Abgang
Im Abgang kommen dann doch noch etwas bitterere Noten hervor, die kurz aufflackern, bevor sie ebenso sanft verschwinden. Es bleibt ein milder, fast wässriger Eindruck, der wenig Raum für Nachklang lässt.

Kohlensäure
Angenehm dosiert, weder übermäßig noch zu knapp. Die geringe Spritzigkeit passt zur insgesamt ruhigen Charakteristik des Bieres.

Süffigkeit
Hier sammelt das Kamenitza Pluspunkte. Die Leichtigkeit des Bieres sorgt für hohen Trinkfluss, besonders an warmen Tagen. Ein unkompliziertes Sommerbier, das man ohne Mühe in größerer Zahl genießen kann.

Fazit
Ein Bier mit großer Geschichte, aber kleinem Auftritt. Aromatisch zurückhaltend, leicht, unaufgeregt – fast schon zu bescheiden für seinen Namen. Wer ein leichtes, einfaches, sehr süffiges Bier sucht, wird hier fündig. Wer Charakter und Tiefe erwartet, wird sie eher im Stadtbild von Plovdiv finden als im Glas.

zur Brauerei
Die Brauerei Kamenitza wurde 1881 in Plovdiv gegründet und war die erste ihrer Art in Bulgarien. Sie entwickelte sich rasch zur nationalen Marke und ist heute Teil der Molson Coors Beverage Company. Neben dem klassischen Kamenitza Svetlo produziert die Brauerei inzwischen auch Spezialbiere und arbeitet in einer modernen Mikrobrauerei in Plovdiv, die Besuchern offensteht. Der Name Kamenitza ist heute fester Bestandteil der bulgarischen Bierkultur – ein Stück Geschichte im Glas.

Mönchshof Kellerbier

Kaum ein anderes Kellerbier findet man so häufig in deutschen Getränkemärkten wie das Mönchshof Kellerbier aus Kulmbach. Mit 5,4 % Vol. Alkohol gehört es zur Sorte der fränkischen Klassiker – ein Bier, das den Begriff „Kellerbier“ für viele überhaupt erst definiert hat. In der markanten Bügelflasche mit dem Mönch auf dem Etikett verspricht es traditionelles Handwerk und ehrliche Braukunst.

Ob das meistverkaufte Kellerbier Deutschlands auch geschmacklich zur Spitze gehört, oder ob hier eher solide Massenware im Glas landet – das zeigt sich nach dem ersten Schluck.

Farbe, Duft und Krone
Eine leichte und frische Malznote entweicht der Flasche. Bei der zweiten Nase merkt man, dass man es sogar mit einer ganz ordentlichen Ladung Malz zu tun hat. Im Glas zeigt das Bier dann seine sehr intensive und recht dunkle Farbe – naturtrüb noch dazu. Der Schaum zeigt keine einheitliche Konsistenz und schwankt zwischen herrlicher Feinporigkeit und dicken Blasen.

Einstieg
Ein frischer Start, der gleich den ganzen Mund auf das Biererlebnis vorbereitet. Es dominiert eine leichte Malznote, die allerdings nicht so stark ausfällt, wie es der Duft hätte vermuten lassen.

Körper und Geschmack
Der Körper dieses Kellerbieres ist schmächtiger, als es die Farbe angedeutet hatte. Von Vollmundigkeit ist wenig zu spüren. Doch auch der schmächtige Geschmackskörper bringt einige Aromen mit. Im Vordergrund steht wieder das Malz, das sich zunehmend in eine diffuse Süße verliert und schließlich durch etwas herbere Anklänge ersetzt wird. Diese herben Noten schmecken aber nicht nach Hopfen, sondern irgendwie anders.

Abgang
Keine langen Verabschiedungen, sondern ein straighter Abgang. Es dominieren die bereits erwähnte unspezifische Süße, die leicht an Vanille erinnern kann, und die diffuse Herbe. Beide aber nicht in einer speziellen Art und Weise.

Kohlensäure
Nicht besonders sprudelig. Das merkt man sowohl beim Trinken als auch bei der Betrachtung des Schaums.

Süffigkeit
Durchaus süffiges Kellerbier, was auch – zumindest zum Teil – erklärt, warum es zumindest nach eigener Aussage das meistgetrunkene Kellerbier Deutschland ist.

Fazit
Geschmacklich werden hier keine Bäume ausgerissen. Dennoch ist das Mönchshof Kellerbier grundsätzlich ein solides Getränk ohne größere Unstimmigkeiten. Die Aromen fließen teilweise diffus ineinander über, jedoch ohne sich gegenseitig im Weg zu stehen.

zur Brauerei
Das Mönchshof Kellerbier wird von der Kulmbacher Brauerei AG gebraut, deren Geschichte bis ins Jahr 1846 zurückreicht. Unter ihrem Dach vereint sie mehrere traditionsreiche Marken, darunter Kulmbacher, EKU, Kapuziner und eben Mönchshof. Der Name Mönchshof verweist auf die Klostertradition des Bierbrauens und steht heute für klassische, bodenständige Biersorten mit nostalgischem Auftritt.
Das Kellerbier gilt als eines der Flaggschiffe der Marke – unfiltriert, bernsteinfarben und mild-malzig im Geschmack. Auch wenn es längst in großen Mengen produziert wird, trägt es noch den Anspruch der fränkischen Braukultur: zuverlässig, süffig und ein Stück oberfränkische Biergeschichte in jeder Flasche.

Allgäuer Büble Edelbräu

Der Bub auf dem Etikett so fröhlich, als würde er das Bier gleich selbst trinken. Dabei ist der Hintergrund ein ganz anderer. Als Bier noch nicht in Flaschen, sondern nur in Holzfässern gelagert und in Wirtshäusern ausgeschenkt wurde, waren die jungen Buben als Bierkurier für ihre Väter und Großväter unterwegs. Sicher hat auch der ein oder andere Junge mal gekostet – kann man ja niemandem verübeln! Diese traditionelle Tätigkeit des Bierholens lebt im Büble-Bier fort. Und das schon seit den 1950er Jahren. Dabei bringt es das Vollbier mit seinem Stammwürzegehalt von 12,5°P auf 5,5% Alkohol. Ob sich diese ganze Tradition auch im Geschmack wiederfindet? Werft einen Blick in die Rezension!

Duft und Farbe
Frisch und mild duftet es nach einem herrlichen Plopp aus der Flasche. Man hat fast den Eindruck, es könnte sich um eine frische Allgäuer Bergwiese im Morgentau handeln. Sprudelt das Bier dann erstmal ins Glas, zeigt es sich mit intensiv goldener Farbe und feinporigem Schaum. Ein schöner Anblick!

Einstieg
Ein sanftes und doch umfassendes Ansprechen des ganzen Mundes gibt’s bei diesem Bier. Ab dem ersten Moment fühlt es sich sehr angenehm und rund an.

Körper und Geschmack
Fast schon sanft schmiegt sich das Bier in den Mund und umspielt die Zunge. Dabei ist es gleichzeitig aber auch sehr zahm, soll heißen: es gibt kaum säuerliche Elemente, die das Bier scharf erscheinen lassen könnten. Viel mehr machen sich nach dem sanften Start bald herbe Aromen ans Werk, die zumindest zeitweise die Szenerie prägen. Der Geschmacksbogen ist recht flach und nicht besonders ausgeprägt. Das Bier entwickelt sich nur zaghaft und überrascht nicht mit spannenden Wendungen.

Abgang
So zahm und zurückhalten wie es kam, so geht es auch wieder. Es wirkt sehr rund, gleichsam aber auch unspektakulär.

Kohlensäure
Nicht super sprudelig aber dennoch genug, um einen wirklich angenehmen feinen Schaum zu produzieren.

Süffigkeit
Ein wirklich sehr süffiges Bier! Es wirkt so, als wäre das Büble Edelbräu speziell zur großzügigen Flüssigkeitsaufnahme im Sommer gebraut worden.

Fazit
Eine wirklich runde Sache, die fast schon zu rund wirkt. Etwas mehr Pepp und Überraschung hätten es dann doch sein dürfen.

zur Brauerei
Im schwäbischen Kempten vor den Toren der Allgäuer Alpen wird im Allgäuer Brauhaus ordentlich Bier gebraut. Flaggschiff und in ganz Deutschland bekannt ist das Büble-Bier. Aber auch das Altenmünster in seiner sehr charakteristischen Flasche findet man fast überall. Im Laufe der Zeit hat die Brauerei einiges an Geschichte in sich vereint. Immer mehr Brauereien schlossen sich zu einer zusammen und so erklärt sich auch der heutige Name als Oberbegriff für die Brautradition eines ganzen Gebiets. Die längsten Traditionen reichen bis ins Jahr 1394 zurück.

Zirndorfer Kellerbier

Wer in Franken nach einem ehrlichen, süffigen Kellerbier sucht, stößt früher oder später auf den Namen Zirndorfer. Das Zirndorfer Kellerbier bringt 5,0 % Vol. Alkohol ins Glas und gehört zu den Klassikern der fränkischen Bierkultur. Es kommt naturtrüb, bernsteinfarben und mit einer malzbetonten Seele daher – ganz so, wie man es von einem fränkischen Kellerbier erwartet.

Ob das Zirndorfer mit seiner malzigen Art nur ein weiteres Landbier ist oder sich als besonders runde Interpretation des Stils erweist, zeigt sich beim ersten Schluck.

Farbe, Duft und Krone
Süßliche Noten dominieren den Duft, der einem aus der Flasche in die Nase steigt. Ein Vorzeichen für malzbetonten Geschmack des Kellerbieres? Wir werden sehen! Im Glas präsentiert sich das Bier dann von seiner Schokoladenseite mit intensiver Bernsteinfarbe und einem traumhaften Schaum, sowohl in Struktur wie auch Haltbarkeit.

Einstieg
Der Malzgeruch bricht sich auch beim Einstieg Bahn. Ein kleiner Geschmackstornado durchfährt den Mund und verzaubert die Sinne.

Körper und Geschmack
Der erste Eindruck setzt sich fort. Malzige Aromen dominieren das Geschmacksbild. Doch gibt der Geschmackskörper insgesamt noch mehr her! Die süßlichen Anteile, die dem Malz inhärent sind, bilden etwas wie eine leichte Vanillenote aus. Die Textur geht dabei ins Cremige und schließt damit an den anfangs beobachteten Schaum an. Eine wirklich runde Sache!

Abgang
Im Abgang verhält sich das Zirndorfer Kellerbier äußerst dezent und ohne irgendwo anzuecken. Der weiterhin süßlich geprägte Geschmack ebbt langsam und gleichmäßig ab.

Kohlensäure
Hier haben die Braumeister ganze Arbeit geleistet! Wer solch einen Schaum kreieren kann, der versteht sein Handwerk ohne Frage. Und auch sonst tut die Kohlensäure ihren Dienst, ohne dabei aufdringlich zu wirken.

Süffigkeit
Ein süffiger Begleiter, bei dem nach einiger Zeit die süßen Geschmacksanteile gepaart mit der cremigen Textur etwas schwer ins Gewicht fallen könnte.

Fazit
Ein feines naturtrübes Kellerbier, das ordentlich malzbetont daherkommt. Freunde des bitteren Hopfens sollten auf andere Biere ausweichen – vorher aber zumindest einmal probieren!

zur Brauerei
Das Zirndorfer Kellerbier stammt von der Zirndorfer Brauerei, die Teil der Tucher Bräu GmbH & Co. KG ist und ihre Wurzeln im fränkischen Ort Zirndorf bei Nürnberg hat. Ursprünglich als kleine Landbrauerei gegründet, wurde sie im Laufe der Zeit zu einem regionalen Aushängeschild für klassische fränkische Biere. Besonders bekannt ist Zirndorfer für seine naturtrüben Spezialitäten, allen voran das Kellerbier.
Gebraut wird nach traditionellem Verfahren mit weichem Wasser aus der Region, hellem Gerstenmalz und einer Hopfung, die klar im Hintergrund bleibt. So entsteht ein Bier, das auf Süffigkeit und Harmonie setzt – weniger laut, dafür wunderbar ausgewogen. Ein Stück Franken in flüssiger Form.

Keiler Kellerbier

Ein Keiler ist bekanntlich kein Tier, mit dem man sich leicht anlegt – und auch das Keiler Kellerbier trägt seinen Namen mit rustikalem Stolz. Mit 4,9 % Vol. Alkohol steht es für fränkische Braukunst in ihrer urigsten Form: naturtrüb, bernsteinfarben, kräftig im Geschmack und mit Bügelverschluss als nostalgischem Extra. Schon der erste Duft verrät, dass hier kein glattgebügeltes Massenbier wartet, sondern ein echter Charakterkopf.

Ob das Keiler Kellerbier tatsächlich so wild ist, wie sein Name vermuten lässt, oder sich am Ende als gezähmter Waldläufer entpuppt – das zeigt der erste Schluck.

Farbe, Duft und Krone
Beim Plopp musste man etwas nachhelfen, so sehr wollte der Bügelverschluss das Bier vor der Umwelt bewahren. Und doch strömt schließlich der Duft des Bieres heraus. Es riecht vollmundig, nach derbem Getreide und urtümlich. Ein Bier „von draußen“, wenn man so will, aber nicht so streng, wie man es sich wohl bei einem Keiler vorgestellt hätte. Im Glas zeigt sich dann die imposante Bernsteinfarbe des naturtrüben Bieres. Der Schaum ist fein und von annehmbarer Haltbarkeit.

Einstieg
Starker Einstieg des Keiler Kellerbiers! Gleich werden alle Register gezogen und die breite Geschmackspalette entfaltet sich im gesamten Mund. Ein tolles Erlebnis!

Körper und Geschmack
Samtig schmiegt sich das vollmundige Bier mit seinem massigen Körper in den Mund hinein. Die vegetativen Noten kommen – wie schon beim Geruch – auch hier klar zur Geltung. Wer als Kind mal auf einem Heuboden gespielt hat, wird sich hieran zurückerinnert fühlen. Im weiteren Verlauf kommen auch süßlichere Anteile zur Geltung, die jedoch nie einfach dumpf „süß“ sind, sondern eher fein an die vegetativen Aromen anknüpft. Insgesamt ein ausgewogener und spannender Körper.

Abgang
Nachgeschmack und Abgang sind von einer süß-herben Mßelange geprägt, die man nur schwer beschreiben kann. Eine gewisse Note Gras (wirklich Gras, kein Marihuana!) lässt sich herausschmecken.

Kohlensäure
Die Kohlensäure macht ihr Arbeit gut, hält sich aber abgesehen vom Schaum dezent im Hintergrund. Das Bier ist weder schal, noch ein Quell der Sprudeligkeit.

Süffigkeit
Ein ausgesprochen süffiger Vertreter seiner Art! Ein rundes Bier, das man gut trinken kann und bei dem auch die zweite Flasche mächtig Spaß macht.

Fazit
Das Keiler Kellerbier überzeugt mit einem starken Körper und den sich vom Duft bis zum Abgang durchziehenden vegetativen Aromen, die an das kindliche Spielen auf dem Heuboden erinnern. Feine Sache!

zur Brauerei
Das Keiler Kellerbier stammt von der Keiler-Brauerei in Lohr am Main, einer Marke der Brauerei Göller in Zeil am Main. Ursprünglich wurde Keiler als eigenständige Brauerei geführt, bis sie in den 1990er-Jahren in den Besitz der Göller-Brüder überging. Der Name und das charakteristische Wildschwein-Logo blieben – und stehen seither für bodenständige fränkische Biere mit einem Hauch Wildnis.
Gebraut wird nach traditionellem Verfahren mit regionalen Rohstoffen, weichem Brauwasser aus dem Naturpark Spessart und viel Liebe zum Detail. Das Kellerbier gilt als Aushängeschild der Marke: naturtrüb, aromatisch und urig – ein Bier, das die Wälder Frankens genauso in sich trägt wie seine Brauer.

Allgäuer Stolz Export Original

Allgäuer Stolz – da ist für Understatement wenig Platz. Dieses Bier hat auch abseits der Homepage der Brauerei eine eigene Homepage erhalten, die allerdings nicht gerade an Mehrwert bringenden Informationen überquillt. Gelungen ist allerdings die Etikettgestaltung, welche einen Biergenießer auf einem Bierfass zeigt, das offensichtlich über die Weiten des Meeres treibt. Oder ist es doch die Iller?. Da wünscht man sich auch hin! Das hier verkostete Original hat noch zwei Geschwister: ein traditionelles Dunkelbier und ein Helles. Diese Reihe ist eine Hommage an die Heimat der Brauerei – das Allgäu! Wie sich dieses Bier mit 5,1% Alkoholgehalt sonst so schlägt, haben wir probiert!

Farbe, Duft und Krone
Malzig dominiert strömt gleich ein angenehmer Duft aus der Flasche. Im Glas verzaubert dann der Anblick des intensiv bernsteinfarbenen Bieres und die feinporige Schaumkrone den Kopf des geneigten Hopfenliebhabers.

Einstieg
Die Malzaromen dominieren auch den Einstieg und lassen der Süße des Bieres recht viel Platz. Fast schon etwas zu zuckrig, könnte man den Eindruck gewinnen.

Körper und Geschmack
Das Export Original tritt mit einem markanten Geschmackskörper auf, der allerdings recht schnell nach seinem von Malz dominierten Höhepunkt abbaut und an Masse verliert. Ein Hauch von Heuschober hat sich offensichtlich auch in den Braukessel verirrt und bringt noch etwas mehr bodenständigen Charakter in die Gesamtkomposition. Insgesamt  aber unspektakulärer, als man es sich von der Aufmachung her gedacht hätte.

Abgang
Im Abgang schließen sich etwas herbere Noten an die süßlicheren Malznoten an. Hier ist das Bier allerdings deutlich schmaler im Auftreten.

Kohlensäure
Die Kohlensäure ist wohlproportioniert und erfüllt ihren Zweck. Dabei wirkt das Bier jedoch nicht sprudelig oder gar blähend oder beißend. Hier haben die Braumeister gut abgestimmt.

Süffigkeit
Ein durchaus süffiger Vertreter seiner Zunft und ein recht leicht zu trinkendes Bier. Lediglich die süßen Anteil, die recht ausgeprägt sind, könnten hier etwas bremsend wirken.

Fazit
Dieses Export ist ein recht süß geratenes Bier, auf das man zurecht stolz sein kann, ohne gleich in überschwängliches Lob verfallen zu müssen. Ein Bier, das zumindest vom Geschmack her Diabetikern gefährlich werden könnte.

zur Brauerei
Fünf Brüder aus dem Hause Stolz brauten Anfang des 20. Jahrhundert im Allgäu in verschiedenen Brauereien Bier. Zudem bestanden zur gleichen Zeit in Isny insgesamt 15 Brauereien. Bestand bis heute hat in beiden Kategorien nur die Brauerei, die wir heute als Familienbrauerei Stolz mit Sitz in Isny kennen. Ganzjährig werden verschiedenen Bierspezialitäten eingebraut, viele davon mit langer Tradition. Hinzu kommen saisonale Highlights wie das Jahrgangsbier, das jedes Jahr am 23. April eingebraut wird. Die Brauerei ist Mitglied im Bund „Die Brauer mit Leib und Seele“, der einige familiengeführte Brauereien in Baden-Württemberg vereinbart.

Leikeim Kellerbier

Ein Kellerbier mit Bügelverschluss – das klingt nach fränkischer Bodenständigkeit und ehrlicher Handwerkskunst. Das Leikeim Kellerbier bringt 4,9 % Vol. Alkohol ins Glas und steht für eine Tradition, die in Franken fest verwurzelt ist: naturbelassene Biere, unfiltriert, kräftig und ohne Schnörkel. Schon der erste Duft nach Malz und der charakteristische Plopp beim Öffnen der Flasche lassen erahnen, dass man es hier mit einem klassischen Vertreter seiner Zunft zu tun hat.

Ob dieses Kellerbier mehr kann als solide fränkische Kost – oder genau darin seine Stärke liegt – zeigt sich im Glas.

Farbe, Duft und Krone
Der Plopp misslingt, doch mit etwas Nachhilfe springt die Flasche dann doch noch auf. Sogleich duftet es vor allem von Malzaromen. Deutlich gluckernd fließt das Bier ins Glas hinüber und man gewinnt gleich den Eindruck, dass sich hier ordentlich Kohlensäure im Bier versteckt. Der Schaum ist außen recht grob, in der Mitte jedoch feinporig  und von guter Haltbarkeit.

Einstieg
Das Bier verbreitet sogleich seine Aromen im ganzen Mund. Dabei wirkt das Bier nicht schwer oder klobig, sondern ist von einer gewissen Leichtigkeit beschwingt.

Körper und Geschmack
Intensiv im Geschmack kommt dieses Kellerbier mit einem recht kompakten Körper daher. Die Geschmackskurve ist steil und so verfliegt der größte Teil der Aromen wieder nach kürzester Zeit. Jeder Schluck ist wie eine kleine Geschmacksexplosion, bei der zunächst malzige, später leicht hopfige Aromen in großer Zahl ausgeschüttet werden, sich dann aber auch alsbald verdünnisieren. Dabei macht das Bier jedoch eine gute Figur und man gewinnt den Eindruck, dass die einzelnen Komponenten gut aufeinander abgestimmt sind.

Abgang
Mit der Zeit entwickelt sich ein angenehmer und als leicht herb zu bezeichnender Nachgeschmack heraus, der im Vergleich zum Körper auch eine etwas längere Haltbarkeit aufweist.

Kohlensäure
Der erste optische Eindruck wird nicht ganz so erfüllt. Das Bier ist nicht mit Kohlensäure überhäuft, hat aber ausreichend Sprudeligkeit, um alle Anforderungen an Geschmackstransport und Schaumbildung zu erfüllen.

Süffigkeit
Dieses Kellerbier ist ein recht süffiger Begleiter und mit seiner milden aber gleichzeitig prägnanten Art auch ein spannender Begleiter über mehrere Flaschen.

Fazit
Gelungenes Kellerbier, das mit einem interessanten Körper ein spannendes Trinkerlebnis verspricht. Kein 0815-Kellerbier von der Stange. Mild und prägnant zugleich!

zur Brauerei
Die Privatbrauerei Leikeim aus Altenkunstadt in Oberfranken kann auf eine Brautradition seit 1887 zurückblicken. Das Familienunternehmen wird heute in fünfter Generation geführt und ist tief in der fränkischen Bierkultur verwurzelt. Bekannt wurde Leikeim durch seine charakteristischen Bügelflaschen und ein Sortiment, das vom klassischen Pils über Weizen bis hin zu Spezialitäten wie Kellerbier oder Landbier reicht.
Beim Kellerbier setzt Leikeim auf regionale Rohstoffe, weiches Brauwasser aus der fränkischen Alb und traditionelle Rezepturen. Das Ergebnis: ein authentisches Bier mit ehrlichem Charakter – unfiltriert, frisch und unverwechselbar fränkisch.

Rotkehlchen – Berliner Bürgerbräu

Ein rotes Bier mit dem Namen Rotkehlchen – das klingt schon fast poetisch. Dieses Lager stammt vom Berliner Bürgerbräu, einer traditionsreichen Brauerei, die einst am Müggelsee im Berliner Ortsteil Friedrichshagen beheimatet war. Mit 5,3 % Vol. Alkohol steht das Bier für die selten gewordene Kombination aus Handwerk, Hauptstadtgeschichte und malziger Wärme. Das „Rotkehlchen“ zeigt dabei schon im Namen, dass es lieber charmant als laut ist – ein Lager mit Charakter und Farbe.

Ob das Berliner Rotkehlchen ein zartes Liedchen singt oder doch eine kräftige Hopfen-Arie anstimmt, das zeigt sich beim ersten Schluck.

Duft und Farbe
Mild und malzig schwappt eine kleine Duftwolke aus der Flasche heraus. Süße ist definitiv die Kategorie, die den ersten olfaktorischen Eindruck dominiert. Man ist geradezu versucht, noch mehr Geruch in sich aufzusaugen, aber das wird erstmal nicht mit Erfolg belohnt. Im Glas macht das Bier seinem Namen alle Ehre: die rötliche Note dominiert deutlich das Bild, denn der Schaum verabschiedet sich quasi umgehend…

Einstieg
Der erste Eindruck, wenn sich das Lager in den durstigen Mund ergießt, ist ein gespaltener. Einerseits werden alle Regionen gleich angesprochen, andererseits wirkt das Bier anfangs etwas scharf. Mal schauen, wie sich das entwickelt.

Körper und Geschmack
Auch im Geschmack dominieren wie bei der ersten Duftprobe die süßlichen Anklänge. Bisweilen hat man das Gefühl, man habe sich im Regal vertan und vielleicht doch einen Saft ausgewählt. Ein schneller Blick auf die Flasche schafft Klarheit. Puh, doch ein Bier. Der Geschmack dockt vor allem am Gaumen an und arbeitet sich dann nach vorne durch. Mit der Zeit mehren sich auch die etwas herberen Anklänge, die mit den süßlicheren Malznoten konkurrieren. Erfolglos zumeist. Insgesamt dennoch eine runde Sache, wenn man nicht unbedingt ein Pild erwartet hat – was man bei einem Lagerbier nie erwarten sollte.

Abgang
Der am längsten bleibende Geschmack setzt sich oben an der Decke des Mundes fest. Auch hier dominieren süße Noten, die aber einen wirklich stimmigen und passenden Eindruck machen.

Kohlensäure
Sprudelig ist das Bier allemal. Aber man hat den Eindruck, dass diese Power etwas falsch eingesetzt wird. Oder warum klappt das mit dem Schaum nicht so richtig?

Süffigkeit
Die süßlichen Geschmacksanteile hemmen die Süffigkeit. Dazu kommt die starke Kohlensäure. Daher eher in Ruhe genießen als nur gegen den Durst.

Fazit
Eine wirklich runde Sache, wenn man sich nach erstem Erstaunen auf das Bier eingelassen hat. Schon eine etwas spezielle Sache, die und im Herzen mit ihrer karamelligen Note doch noch erobert.

zur Brauerei
Das Rotkehlchen wurde ursprünglich von der Berliner Bürgerbräu GmbH gebraut, einer der ältesten Privatbrauereien Berlins. 1869 gegründet, lag sie idyllisch am Müggelsee und war über Jahrzehnte ein Symbol für Berliner Braukunst jenseits der großen Industriebrauereien. Nach wechselvoller Geschichte – Enteignung, volkseigene Produktion in der DDR und spätere Privatisierung – wurde der Betrieb 2010 von der Feldschlößchen Brauerei Dresden übernommen und schließlich 2018 eingestellt.
Der Name und das Bier leben jedoch weiter, gebraut nach den Originalrezepturen und mit Berliner Charme. Das Rotkehlchen erinnert an die Zeit, als man in Berlin noch an der Spree saß, die Sonne im Bierglas glitzerte – und das Leben einen Hauch malziger war.