Bauhöfer’s Schwarzwaldmarie

Im Kontrast zu den dunklen Tannen des Schwarzwalds strahlt uns hier die Schwarzwaldmarie vom Etikett entgegen. Und schon im Tübinger Studentenlied Alma Mater Tubingensis heißt es: „Schwarzwaldmädchens Augensterne zieh’n Studentenherzen an.“ Das Antlitz dürfte sicher auch den ein oder anderen Genießer des Hopfensaftes zum Genuss des Bieres animieren. 12,7°P Stammwürzegehalt werden im Brauprozess zu 5,2% Alkoholgehalt vergoren. Zum Einsatz kommen dafür neben Malz aus der Region drei Sorten Tettnanger Aromahopfen. Das Bier wird kaltgehopft und das Wasser kommt aus dem eigenen Tiefenbrunnen. Hier hat man wirklich den Eindruck, dass die Brauereifamilie auch bei den Zutaten auf Regionalität und Qualität setzt. Die Glasflasche dazu mit Drehverschluss – schöne Vereinigung von Wertigkeit und Dosierbarkeit.

Farbe
Ganz hellgelb und vollkommen klar strömt das Bier ins Glas. Dabei verströmt es den Duft eines ganzen Obstkorbes. Man glaubt gar nicht, dass es sich tatsächlich um ein Helles handelt, sondern vermutet im ersten Moment eher ein IPA in dieser Flasche. Der Schaum ist leider nicht so beständig wie die Fruchtnote. Er verflüchtigt sich im Nu.

Einstieg
Umgehend verzaubert einem die Schwarzwaldmarie sämtliche Sinne. Die Fruchtnoten strömen vor allem in den oberen Teil des Mundes und zaubern einem gleich ein Lächeln ins Gesicht, sodass man schon sofort mit der Schwarzwaldmarie um die Wette strahlt.

Körper und Geschmack
Die Schwarzwaldmarie überzeugt mit einer starken Präsenz und einem markanten Geschmack. Die fruchtigen Aspekte kontrastieren dabei sehr elegant mit stark herben Anklängen, die ebenso wie die Fruchtnoten für ein Helles eher untypisch daherkommen. Der Körper ist sehr ausgeprägt und erlaubt es dem Bier, sich den Platz zu nehmen, den es auch verdient.

Abgang
Im Abgang dominieren die herben Aspekte, die eher an ein Pils erinnern. Sie runden das Bier wunderbar ab und machen diesen Hopfentrunk erst so richtig interessant.

Kohlensäure
Zwar ist die Kohlensäure nicht wirklich für Schaum gemacht, aber für einen guten Biergenuss ist sie genau richtig eingestellt. Das Bier verteilt sich angenehm gleichmäßig im Mund und lässt alle Aspekte gut und zum richtigen Zeitpunkt hervortreten.

Süffigkeit
Ohja, dieses Bier macht mächtig Spaß und ist dabei furchtbar süffig. Trotz des markanten Körpers ist es leicht, was gut möglich durch die Fruchtigkeit kommen könnte.

Fazit
Die Schwarzwalmarie ist Erscheinung und Offenbarung zugleich. Ein starkes Bier, das man getrunken haben sollte. Als Helles gebraut verbindet es das Beste aus den Welten von Pils und IPA. Eine wirklich gelungene Kreation aus der Ortenau.

zur Brauerei
Ulmer Bier wird nicht nur im Schatten des höchsten Kirchturms der Welt produziert. Auch im Ulm des Schwarzwalds gibt es eine feine Brautradition, die im Jahre 1852 durch Ludwig Bauhöfer begründet. Diese Tradition hat bis heute Bestand und wurde in einer ansehnlichen Produktpalette ausbuchstabiert. Weizen, Bock, Pils und Helles stehen zur Auswahl. Die Schwarzwaldmarie bildet dabei das Flaggschiff der Brauerei. Wer in der Ortenau Bier trinken möchte, kommt um diese Familienbrauerei nicht drum herum.

Mariahilfer Erleuchtung

Wenn man durch den Getränkemarkt geht und die verschiedenen Etiketten an sich vorüberziehen sieht, dann sticht eines ganz besonders heraus: Das strahlende Etikett der Mariahilfer Erleuchtung! Die ansehnliche Plopp-Flasche wurde mit der kunstvollen Darstellung der erleuchteten Maria mächtig in Szene gesetzt. Dabei kommt das Helle eigentlich ganz zahm daher. Ein Alkoholgehalt von 4,5% sorgt dafür, dass man selber nicht gleich vom Genuss der ersten Flasche strahlig wird. Aber erleuchtet werden, das kann man natürlich ab dem allerersten Schluck. Also, probieren wir es mal!

Farbe
Frisch und mit einer leichten Hefenote bahnt sich der Geruch des frischen Bieres den Weg aus der Bügelflasche, nachdem man mal mehr oder mal weniger glücklich seinen Plopp-Versuch unternommen hat. Das Bier ist leicht eingetrübt und der Schaum hat eine angenehme Konsistenz sowie eine vernünftige Beständigkeit.

Einstieg
Zieht man den ersten Schluck in den Mund, so macht sich sogleich eine frische Herbe ordentlich Platz. Das Bier spricht vor allem die Geschmacksbereiche in der oberen Mundhälfte an und zieht schließlich hinten bis zum Gaumen herunter.

Körper und Geschmack
Das angenehm frisch-herbe Gefühl wird von einer leicht vegetativen Note untermauert. Man gewinnt den Eindruck, eines sommerlichen Morgens auf einer frisch gemähten Almwiese zu stehen. Dazu mischen sich auch fruchtige Noten, die das Gesamtbild abrunden und auch beim Aufstoßen Spaß machen. Dabei bleibt das Bier jedoch trotz seiner geschmacklichen Breite recht schlank.

Abgang
Ganz sanft wirkt das Bier auch im Abgang. Es schmiegt sich förmlich an den Rachen an und verabschiedet sich ohne störende Beigeschmäcker. Bemerkenswert ist, wie sich die herben Noten im Nachklang noch stärker ausbauen.

Kohlensäure
Ausreichend sprudelig, um in jede Ecke des Mundes zu gelangen. Aber noch so angenehm, dass es nicht brennt oder man das Gefühl bekommen könnte, einem platzt vor lauter Kohlensäure gleich der Mund. Gut abgestimmt!

Süffigkeit
Die frische Brise, die dieses Bier ins Leben des Biergenießers bringt, möchte nicht allzu schnell aufhören. Dieses wirklich durch und durch süffige Bier macht Spaß!

Fazit
Wirklich eine Erleuchtung! Dieses Bier dürfte bei vielen Bierliebhabern einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die erfrischende Art gepaart mit einem breit aufgestellten Geschmackserlebnis und der schlanken Natur des Bieres lassen nur den Schluss zu, dass hier eine braumeisterliche Leistung abgeliefert wurde!

zur Brauerei
Tief im Süden und nur wenige Kilometer vom Hopfensee entfernt findet man im Dorf Eisenberg die Wallfahrtskirche Maria Hilf und unweit von dieser die Brauerei Kössel Bräu. Im Jahr 1635 begann die Wallfahrt und wohl seit 1698 wurde für die durstigen Wallfahrer das passende Bier in direkter Nähe zubereitet. Das heutige Brauereigebäude besteht seit 1897, jedoch wurde der ursprüngliche Betrieb in den 1960er Jahren stillgelegt und erst im Jahr 1986 von der Familie Kössel wieder aufgenommen. Heute wird die Brauerei von einem Gasthof und einem Brauereiladen ergänzt. Insgesamt werden 16 verschiedene Bierspezialitäten produziert – einige davon nicht ganzjährig, sondern saisonal produziert.

TURMOIL IPA

„Ganz schön verkopft“, denkt man sich wohl beim Anblick dieses Dosenbildes. Der fesch angezogene Kollege bedient mit einer Hand die Ölförderanlagen und hält in der anderen eine Maschinenpistole. Kein Wunder, dass er statt Gehirn nur Röhren als Oberhaus hat. Das TURMOIL ist von der Art her ein IPA und wartet bei 54 IBU Bittereinheiten mit 6,5% Alkoholgehalt auf. Für den Gesschmack sorgen vier verschiedene Malzsorten und sechs unterschiedliche Hopfen. Ganz schön viel also, was das TURMOIL hier aufbietet. Ob es sich lohnt? Hier kommt der Bericht!

Duft und Farbe
Intensiv malzig und recht süß steigt einem der Duft des Turmoils in die Nase. Ganz zart und nuanciert suchen sich die Aromen ihren Weg an die Rezeptoren. Es hat fast einen Hauch von Aprikose und Pfirsich. Im Glas zeigt sich das Bier leicht eingetrübt und von intensiver nicht ganz heller Farbe, sodass man gleich reinbeißen möchte. Der Schaum ist recht feinporig und von ganz vernünftiger Qualität.

Einstieg
Schon der erste Schluck zeigt, was dieses Bier kann. Schnell dringen die Aromen in jeden Winkel des Mundes und beginnen ihre Aromen zu entfalten. Es wimmelt nur so von Fruchtigkeit im Mund!

Körper und Geschmack
Das Bier hat einen recht fülligen Körper und macht so einen soliden Eindruck. Man hat wirklich den Eindruck, etwas vernünftiges im Mund zu haben. Der Geschmacksbogen hat dabei eine ganz schön gebogene Kurve. Man startet sehr fruchtig, jedoch bahnen sich mehr und mehr bittere Aromen die Bahn. Die Fruchtigkeit bleibt aber stets erhalten und dämpft die Bitterheit ein wenig. Eine wirklich runde Sache!

Abgang
Zwar kommen immer mehr bittere Aromen durch, jedoch bleibt das Bier die ganze Zeit über erfrischend und spritzig. Eine wahre Wohltat, die rundherum gut abgestimmt ist.

Kohlensäure
Die Kohlensäure ist wohl dosiert, obwohl eine ganz kleine Prise mehr sicher auch nicht geschadet hätte. Der Schaum kommt aber auch so schon zu seiner Geltung. Von daher kann man dem Braumeister keinen Vorwurf machen.

Süffigkeit
Wirklich eine ganz süffige Angelegenheit. Das Turmoil überzeugt in dieser Kategorie trotz seines recht maßigen Körpers.

Fazit
Das Turmoil aus dem Hause RIPCHORD ist ein klasse IPA mit einer aufregenden Geschmackskurve. Viel Frucht und trotzdem eine ordentliche Ladung Bitterheit machen dieses britische Bier zu einem sehr guten Vertreter seiner Zunft.

zur Brauerei
BrewBoard ist noch eine recht junge Brauerei, die sehr viel Wert auf ihre Unabhängigkeit legt. Sie präsentieren sich unter dem Slogan: „BrewBoard is a very new, very independent brewer. […] Discerning drinkers assemble, there’s a new player in town …“ Die anspruchsvollen Trinker können sich derzeit an sechs verschiedenen Bieren probieren. Außerdem bietet die Brauerei aus Camebridge viele Events in ihrer Zentrale an, bei denen man zwischen den Braukesseln Kulturelles erleben und gleichzeitig Hopfiges genießen kann.

Señorita Imperial Porter

Man denkt im ersten Moment, dass einem da ein weiblicher Joker aus Batman entgegenlächeln würde. Tatsächlich ist es aber die Señorita höchstpersönlich, die sich hier die Ehre gibt. Dieses saisonale Bier aus dem kleinen Ort Poncha Springs (keine 1.000 Einwohner!) weckt alsgleich große Erwartungen. Es wird geschwärmt von verschiedensten Aromen, von Vanille und Schokolade und davon, dass dieses Bier so unglaublich gut zum Winter passen würde. So gut, so schön, aber wie passt das damit zusammen, dass „Street Tacos“ als passendes Essen empfohlen werden? Nun ja, wir haben dieses spezielle Bier mit seinen 8,5% Alkoholgehalt mal auf Herz und Nieren geprüft. Das Ergebnis? Lest selbst!

Duft und Farbe
Schwer und recht süßlich schwappt die erste Duftwolke aus der frisch geöffneten Dose. Das unterstreicht sogleich die Beschreibung von Schoko-Aromen. Entlässt man das Bier ins Glas, is man sich gar nicht so sicher, ob es eigentlich Bier ist. Fließverhalten und Aussehen rangieren eher irgendwo zwischen Schokomilch und Kaffee. Die zarte Schaumkrone, die sich bildet, ist allerdings von guter Haltbarkeit und sehr schöner Konsistenz.

Einstieg
Es kommt selten vor, dass man ganz und gar überrascht ist, aber hier ist es der Fall. Noch immer ist man sich nicht ganz klar darüber, ob es sich wirklich um ein Bier handelt. Einiges spricht dafür, vieles aber auch dagegen. Jedenfalls spricht das Bier auf Anhieb gut an.

Körper und Geschmack
Der Geschmack bewegt sich irgendwo zwischen Schokomilch, Kaffee und Bier. Es dominieren recht süße Aromen, die teilweise auch ins Fruchtige abgleiten und gerade hintenheraus nochmal mehr zur Geltung kommen. Das Bier spricht vor allem die obere Mundhälfte an, wo es direkt stark vorprescht und seinen Geschmack verbreitet. Ein Bier, das unkonventioneller nicht sein könnte.

Abgang
Rund und angenehm verabschiedet sich die Señorita und hinterlässt dabei vor allem eine süße Spur, die dermaßen markant ist, dass sie sicher noch etwas in Erinnerung bleiben wird.

Kohlensäure
Von Kohlensäure ist bei diesem Bier freilich nicht so viel zu sehen. Oder wer hat schonmal Kaffee oder Schokomilch mit Blubber gesehen?

Süffigkeit
Wäre es nicht doch auch relativ mächtig, dann wäre es sicher ein sehr süffiges Bier. So schneidet es mit einem guten mittleren Wert ab.

Fazit
Ein Bier, das ganz anders ist, als man sich ein Bier vorstellen würde. Eine faszinierende Kombination verschiedener Aromen, die in ihrer Komposition dennoch überraschend gut sind.

zur Brauerei
Diese sympathische Brauerei aus dem Herzen Colorados braut nicht nur spannendes Bier, sondern setzt sich auch für den Umweltschutz in den Rocky Mountains ein. Zwar haben die Biere von hier nur eine recht lokale Verbreitung innerhalb des Bundesstaates, wer sich aber in dieses Kleinod oder auch nur in die Gegend verirrt, der sollte dieser Brauerei einen durstigen Besuch abstatten.

Jai Alai IPA

Ein IPA aus Florida muss schon was auf sich haben. Schließlich trotzen die Biere aus Tampa so manchem Hurrikan. Da muss man was ab können! Benannt ist dieses IPA aber nicht nach irgendeinem Wirbelsturm, sondern nach einem baskischen Spiel, also aus der spanisch-französischen Grenzregion. Auswanderer brachten das Spiel in die USA und auch wenn es hier kein großer Klassiker wurde, so bleibt doch zumindest dieses Bier. Der Alkoholgehalt lässt sich mit 7,5% beziffern. Jai Alai-Spieler sollten also vielleicht doch eher nach dem Spiel mit ihrem Bier loslegen. Ob sich ein hopfiges Abtauchen in die Welt des baskischen Sports lohnt? Wir haben es probiert!

Duft und Farbe
Wow! Der betörende und intensive Duft breitet sich sofort aus und zaubert dem Kostenden ein breites Grinsen aufs Gesicht. Hier strömt in ganzer Fülle eine Ladung Frische heraus, inspieriert von Früchten und einer Spur Ingwer. Im Glas präsentiert sich das IPA minimal eingetrübt und mit einer intensiven Farbe, die etwas dunkler ist als gedacht.  Der Schaum wirkt angenehm feinporig, verflüchtigt sich aber leider recht schnell.

Einstieg
Der Einstieg hält, was der Duft versprochen hat – und ist dabei doch ganz anders. Imposant stürmt das Bier nach vorne, besticht aber nicht unbedingt durch frische und obstige Anklänge.

Körper und Geschmack
Der Körper des Jai Alai IPA ist ausgesprochen mächtig und markant. Klar abgegrenzt und definiert steckt dieses Bier gleich seinen Wirkungskreis ab: und das ist der ganze Mund. Es überwiegen recht schwere und herbe Aromen, die zur etwas dunkleren Farbe des Bieres passen. Bei einer Blindverkostung könnten Koster, die nicht am Bier riechen, hier durchaus in die Dunkelbierecke fehlgeleitet werden. Insgesamt aber ein spannender Bogen, da nach und nach auch schwer-süßliche Anklänge durchsickern.

Abgang
Dieses Bier legt einen wirklich sehr runden Abgang hin. Kein Kratzen, keine falsche Note, nur voller Geschmack. Da muss man wirklich ein großes Lob aussprechen. Auch der Nachgeschmack ist nicht zu dominant, sondern wirkt zwar bitter aber dabei sehr angenehm.

Kohlensäure
Das Jai Alai IPA ist nicht übermäßig mit Kohlensäure ausgestattet und muss es auch nicht sein. Gerade bei diesem Bier könnten mehr Bläschen zu Abstrichen beim Geschmack führen.

Süffigkeit
Für die Fülle des Körpers ist dieses Bier durchaus süffig, was überrascht und gefällt.

Fazit
Ein starkes Bier aus Florida, das Spaß macht und immer wieder für Überraschungen gut ist. Feine Sache und perfekt abgestimmte Braukunst.

zur Brauerei
Die Zigarre im Markenzeichen der Brauerei sagt nun tatsächlich recht wenig über das Bier aus, sondern wohl vielmehr über die Stadt und ihre Geschichte, aus der das Bier kommt. Ähnlich verhält es sich mit der Webseite der Brauerei. Auch hier lernt man einiges über die Tradition des Bierbrauens in Tampa, Floria, jedoch recht wenig über die Brauerei selbst. Nun denn: Kurzgefasst wurde die Brauerei 2007 gegründet und verzeichnete eine steile Erfolgskurve. Der Hauptabsatzmarkt für die meisten Biere ist aber nach wie vor der Bundesstaat Florida.

Schimpf Hefe-Weizen hell

Ganz klassisch wirkt dieses Weizen auf den ersten Blick. Die Vorderseite ziert ein schmuckes Etikett mit einem kleinen Bildausschnitt einer malerischen Feldlandschaft mit – natürlich – Weizenbündeln. In der Flasche verbirgt sich bei diesem Bier aus der Kronenbrauerei Schimpf ein helles Weizenbier, das aus 12,3°P Stammwürzegehalt runde 5,0% Alkohol generiert. Wie es und geschmeckt hat? Lest hier!

Duft und Farbe
Der Duft dieses Bieres, der dem Liebhaber des Gerstensaftes hier entgegenströmt, verzaubert sogleich alle Sinne. Der feine und sanfte Geruch von Weizen weckt sogleich den Wunsch nach dem ersten großen Schluck. Doch zunächst muss das Bier noch ins Glas, wo es eine herrlich intensive Farbe zeigt. Nur die Schaumbildung ist leider defizitär.

Einstieg
Und dann dieser erste Moment, wenn das Weizen seine voll Kraft entfaltet und die Geschmackssinne des Mundes außer Fassung geraten lässt. Vom ersten Moment an verleiht dieses Bier ein vollmundiges Geschmackserlebnis. Ganz fantastisch!

Körper und Geschmack
Dieses Hefeweizen vereint wirklich alles, was ein Weizen können muss. Der kräftige Körper schmiegt sich sanft in den Mund ein und spricht alle Partien gleichermaßen gekonnt an. Süß-malzliche Aromen halten sich exakt die Waage mit eher hopfigeren Einschlägen hintenraus. Dabei verhält sich das Bier stets samtigweich und fast schon cremig in der Konsistenz. Fruchtige Noten spannen dabei den Bogen über das gesamte Geschmacksensemble. Hierbei kommt es aber nicht zu einer krassen Überlagerung, wie es bei anderen Weizenbieren teilweise der Fall ist.

Abgang
So samt und weich wie das Bier kam, so schmiegt es sich auch im Abgang an die Kehle des Bierliebhabers. Auch der Nachgeschmack lässt einen noch einige Zeit von der Wohltat dieses Weizens träumen.

Kohlensäure
Die gut dosierte Kohlensäure korrespondiert hier ausgesprochen gut mit dem Körper und dem Geschmack des Bieren. Hier hat der Braumeister alles richtig gemacht!

Süffigkeit
Locker und leicht lässt sich dieses Bier trinken, was bei Weizenbieren mit ihren doch eher fülligeren Körpern nicht ganz selbstverständlich ist. Daumen hoch bei der Süffigkeit!

Fazit
Dieses Weizen spielt definitiv in der Spitzenklasse! Der runde Geschmack mit seinen vielen Nuancen und der samtige Körper machen das Bier von der ersten Sekunde an zu einem tollen Geschmackserlebnis.

zur Brauerei
Die Kronenbrauerei Schimpf wurde im Jahr 1870 von der Familie Ohngemach gegründet. Acht Jahre nach der Gründung, trat die bis heute brauende Familie Schimpf in Erscheinung und kaufte die Brauerei. Inzwischen befindet sich die der Traditionsbetrieb in der fünften Generation und ist somit zu einem Kulturträger von Remmingsheim geworden. Nach dem 1. Weltkrieg wurde die Brauerei von einem Kleinbetrieb zu einem richtigen Gewerbebetrieb umgebaut. Heute umfasst das Angebot neun reguläre Biere, die um saisonale Extras ergänzt werden. Am besten genießt man diese Spezialitäten direkt in der Brauereigaststätte!

Ichnusa Non Filtrata

Dieses Bier ist verdammt stolz auf seine Herkunft und zeigt das gleich auf vielfältige Art und Weise. Zuerst sticht gleich das Design der Flasche ins Auge, das maximal auf die Braustätte, der Insel Sardinien, hinweist. Viele Elemente der sardinischen Flagge und des Wappens finden sich hier wieder. Außerdem ist da die Flasche selbst, die durch ihre besondere Form auf die Unangepasstheit und die Alleinstellung des Bieres hinweist. Und schließlich die Brauart: unfiltriert und pur – hach, da geht einem das Herz auf! Die reinen Werte sind dabei eher durchschnittlich. Aus 11,2°P Stammwürzegehalt wird ein Alkoholgehalt von knapp 5% gebraut. Ob das Bier sich auch so von anderen abhebt, wie es auf den ersten Blick scheint? Wir haben es probiert!

Duft und Farbe
Der erste Duft, der aus der bauchigen Flasche entweicht, wird dominiert von Malz und einem Hauch Hefe. Hierbei erinnert das unfiltrierte Bier aus Sardinien an jungen Wein aus dem Württembergischen. Ob da irgendeine Verbindung besteht? Im Glas wirkt das Bier für den Zusatz „unfiltriert“ dann doch sehr sauber. Es ist nur eine leichte Eintrübung zu sehen. Der Schaum ist feinporig und von allgemein recht guter Qualität.

Einstieg
Auf eine sehr angenehme Art und Weise nimmt dieses Bier verlässlich seine Arbeit auf. Der Einstieg läuft dabei geradezu reibungslos ab und macht Lust auf mehr. Hierbei macht das Bier einen gemächlichen Eindruck.

Körper und Geschmack
Es macht fast den Eindruck, als würde dieses sardinische Bier eine Mittelstellung zwischen dem Lager- bzw. in diesem Fall eher Zwicklbier und dem Weißbier aufbauen wollen. Der Körper ist recht üppig und die Textur ist etwas schwerer und geradezu samtig. Im Geschmack nimmt außerdem die Hefe eine zentrale Rolle ein und macht das Bier ausgesprochen rund. Störende Geschmackselemente sind ehrlich gesagt nicht auszumachen. Vielmehr ist dieses Bier ab dem ersten Schluck sehr präsent und hält diese Stellung ohne Abstriche bis zum Ende durch.

Abgang
Rund und durch und durch angenehm verabschiedet sich dieses ungefilterte Bier aus dem Mittelmeerraum wieder von seinem geneigten Genießer.

Kohlensäure
Auch hier landet das Bier eine Punktlandung. Ohne aufdringlich zu wirken, verrichtet die Kohlensäure genau die Aufgabe, die ihr zugedacht worden ist. Sie produziert einen sehr angenehmen Schaum und bringt das Bier in alle Ecken, wo es seinen Geschmack entfalten kann.

Süffigkeit
Zwar ist das Bier aufgrund seiner etwas schwerfälligen Textur nicht gerade ein Leichtgewicht, jedoch macht die runde und angenehme Art vieles wieder wett macht. Insgesamt landet man so bei einem mittelsüffigen Bier.

Fazit
Ein großes Lob an die sardinischen Braumeister für dieses runde Bier. Fast schon zu rund, denn man trifft auf keine wirklichen Besonderheiten oder Entwicklungen in der Geschmackskurve. Ist das der Einfluss von Heineken?

zur Brauerei
Seit dem Jahr 1912 gibt es die Brauerei Ichnusa, die sich wie keine andere der besonderen Regionalität Sardiniens gewidmet hat. Zuerst braute man in der Hauptstadt Cagliari, bevor schließlich ein Umzug nach Assemini anstand. Das ganze Bier, die Brautradition und auch die Webseite mit dem ganzen Marketing – alles ist auf die italienische Mittelmeerinsel ausgerichtet. Daran hat auch die Übernahme durch Heineken im Jahr 1986 nichts geändert. Gebraut werden vier Biere und ein Biermischgetränk.

Lübzer Pils

Lübzer Pils verbindet man mit einem Leuchtturm. Fast so wie Jever! Und das, obwohl Lübz gar nicht an der Küste liegt, sondern im Herzen von Mecklenburg. Vielleicht ist Lübzer ja sowas wie das Jever des Ostens – Mecklenburgisch herb! Wir werden sehen. Pils ist die Stammmarke der Brauerei und entsprechend bekannt. So gibt es auch in Berlin noch Kneipen, in denen Lübzer Pils vom Hahn gezapft wird. Der auf dem Etikett abgedruckte Zusatz „Traditionell gebraut“ könnte man als Hommage an den Trend des handwerklichen Brauens verstehen. Mit einem Alkoholgehalt von 4,9% schwimmt das Pils auf jeden Fall gut im Mittelfeld seiner Klasse. Ob wir es hier wirklich mit einem Bier zu tun haben, dass es mit der Jever Stilikone aufnehmen kann? Unsere Verkostung bringt vielleicht Licht ins Dunkel!

Duft und Farbe
Frisch und durchaus pilsig steigt einem der Duft des Bieres entgegen. Allerdings wirkt das Bier auf Anhieb etwas schwerer, als man es bei der Beschreibung auf der Homepage der Brauerei hätte vermuten können. Im Glas zeigt sich das Lübzer mit einer hervorragenden Farbe, die einem den Atem raubt. Intensives Gold mit einer recht feinporigen Schaumkrone, die sich leider recht schnell vom Acker macht.

Einstieg
Schon beim Ansetzen merkt man, dass man gleich herrlich erfrischt wird. Das Bier strömt leichtgängig in den Mund und verbreitet sich vorbildlich.

Körper und Geschmack
Das Lübzer spielt von Anfang an seine markanten Noten aus. Der intensiv hopfige Geschmack breitet sich sogleich im ganzen Mund aus und lässt das Bier recht streng erscheinen. Gleichzeitig macht diese Eigenschaft das Bier zu einer angenehmen Erfrischung – ohne die lähmende Süße und Schwere. Von Malz ist im Geschmack kaum eine Spur. Hopfen und seine Bitteraromen findet man stattdessen allerorten. Hier ist das Bier sehr stark, wenn man es mag.

Abgang
Ganz locker geht das Lübzer auch wieder seiner Wege. Der Nachgeschmack ist wie zu erwarten von bitteren Aromen geprägt. Diese wirken aber nicht ewig nach, sondern verziehen sich recht fix.

Kohlensäure
Grundsätzlich ist vom Sprudelmittel genug vorhanden, allerdings könnte in puncto Schaumbildung noch ein bisschen am Feintuning gearbeitet werden.

Süffigkeit
Dieses Bier ist durch den markanten Geschmack etwas in seiner Süffigkeit eingeschränkt – aber wirklich auch nur ein ganz kleines bisschen.

Fazit
Dieses Bier könnte tatsächlich so etwas wie das ostdeutsche Jever sein. Ein markantes Pils mit einer grandiosen Optik – vor allem, wenn jetzt auch noch etwas Feintuning beim Schaum betrieben werden würde.

zur Brauerei
Die Brauerei in Lübz braut seit Kaisers Zeiten Bier – und vor allem Pils. Seit 1877 erfreuten sich die Erzeugnisse großer Beliebtheit. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Brauerei demontiert und erst 1969 durch einen Neubau wieder auf die Beine gestellt. In der damaligen DDR gehört die VEB Brauerei Lübz zum Getränkekombinat Schwerin und produzierte für Supermärkte im Westen. Sie besaß die einzige Dosenabfüllanlage der DDR. Nach der Wende übernahm die Hamburger Holsten Brauerei die Mehrheit der Brauerei. Später kam sie mit der Übernahme von Holsten durch Carlsberg selbst auch zum dänischen Getränkeriesen. Neben Pils werden noch einige andere Biere und Mischgetränke produziert.

Schönbuch Doppelbock

„Ich komm aus Böblingen bei Stuttgart – uncool!“…so besangen Kraftlkub die schwäbische Bierstadt in ihrem Lied ‚Ich will nicht nach Berlin‘. Der Schönbucher Doppelbock findet seine Herkunft gar nicht uncool. Vielmehr ist das Bier bockstolz auf sich selbst und seine Brauerei. Stärke demonstrieren zudem die insgesamt vier Stiere auf den Etiketten der Flasche. Oder ist das etwa Red Bull? Fest steht, dass die 8,2% Alkoholgehalt sicher auch schon dem ein oder anderen Biergenießer Flügel verliehen haben dürfte. Was sonst noch hinter diesem schwäbischen Schwergewicht steckt, das 2015 den European Beerstar in Gold gewann, gibt es in dieser Rezension!

Duft und Farbe
Feinaromatisch strömt der Duft des Bieres aus der Flasche. Dabei ist er gar nicht so schwer und aufdringlich, wie man es sich bei solch einem Bier vielleicht vorgestellt hätte. Vielmehr mischt sich eine leicht süßliche Note ein, für sich selbst nicht überraschend, die sich aber vornehm zurückhält. Im Glas macht das Bier eine gute Figur. Es ist nicht glasklar, aber fast! Der Schaum ist recht fein und von ausreichender Haltbarkeit.

Einstieg
Der erste Schluck weckt alle Geister des Körpers zum Leben. Ein angenehmer Mix aus erfrischendem Charakter eines Hellen und der Urkraft eines Bocks strömt in den Körper und rüttelt einen so richtig auf. Puh!

Körper und Geschmack
Dieses Bockbier ist auf jeden Fall eine schwergewichtige und sehr runde Nummer. Das merkt man direkt, sobald man einen Schluck im Mund hat. Es nimmt sich gleich ordentlich Platz, um den vollen Geschmack zu entfalten. Während vorne im Mund vor allem vegetative Aromen ihre Entfaltung finden, breiten sich im hinteren Teil des Mundes etwas süßere und damit noch schwerere Geschmacksteile aus. Eine leicht alkoholische Note kann man allerdings auch nicht negieren. Sie hält sich aber sehr in Grenzen.

Abgang
Eine runde Sache verabschiedet sich auch sehr rund wieder aus dem Mund. Hier tun sich zwar auch etwas bittere Anteile hervor, jedoch ohne das Gesamterlebnis zu torpedieren. Danach gibts nichts Fieses, sondern man ist direkt bereit für den nächsten Schluck.

Kohlensäure
Wohl dosiert tut die Kohlensäure zuverlässig ihren Job. Das Bier kommt in alle Ecken, wo es hingehört. Dabei brennt es nicht und wirkt auch nicht lasch. Alles richtig gemacht!

Süffigkeit
Für ein Bockbier ist dieses schwäbische Produkt erschreckend süffig. Das macht fast schon Angst…

Fazit
Das Bockbier von Schönbuch ist überraschen süffig und wirkt eher wie Mittler zwischen Hellem und Bockbier. Ein guter Start für alle, die neugierig auf Bockbier sind.

zur Brauerei
Diese Brauerei aus Böblingen bei Stuttgart ist inzwischen der älteste Betrieb der Stadt und noch dazu seit der Gründung im Jahr 1823 in Familienbesitz. Die Geschichte ist eng verbunden mit der, der Brauerei Dinkelacker aus Stuttgart, entstammt also regelrecht einer Brauerfamilie. Inzwischen bietet Schönbuch, wie auch der angrenzende Naturpark heißt, eine ganze Reihe von Bieren im Dauersortiment an und braut zusätzlich zu besonderen Veranstaltungen noch Spezialbiere.

Småland Pilsener

Denkt man an Småland, dann kommt einem meiste die Kinderbetreuung von IKEA in den Sinn. Skandinavienfreunde kommen schnell auch noch auf die Region in Schweden, die diesen Namen trägt. Auf dem deutschsprachigen Markt ist ein Bier dieses Namens jedoch vollkommen unbekannt. Zu Recht? Dieses Pilsener aus dem schwedischen Ort Vimmerby, der Heimat der Åbro Byggeri, will uns vom Gegenteil überzeugen. 5,2% Alkoholgehalt und das abgedruckte Versprechen, dass dieses Bier länger als üblich und extra kalt gelagert wurde, weisen schonmal in eine gute Richtung. Ebenso der Hinweis auf die speziell aus Tschechien importierte Hefe. Ganzer Einsatz! Überzeugt uns das? Wir haben’s probiert!

Duft und Farbe
Ganz fein und etwas herb erhebt sich die kleine Duftwolke. Würde man hier von einer olfaktorischen Überwältigung sprechen, wäre das sicherlich übertrieben. Die Lust auf das Bier unterstützt die feine Duftnote dennoch. Die Farbe des Bieres kommt im Glas voll und ganz zur Geltung. Intensives Gold strahlt einem entgegen. Eine wahre Freude! Vom auf der Dose versprochenen kraftvollen Schaum ist aber leider nicht viel zu sehen…

Einstieg
Wagt man sich dann, noch halb geblendet vom goldenen Schein, an den ersten Schluck, so kommt man zu der ernüchternden Erkenntnis, dass das Bier gar nicht so pilsenerartig ist, wie man erwartet hätte. Ob sich das noch ändert?

Körper und Geschmack
Der erste Eindruck verfestigt sich zunehmend. Das Småland ist doch eher ein träges Bier mit etwas schwereren Aromen, die ins Süßliche reichen. Von pilsartiger Spritzigkeit und frisch-herber Erfrischung eher keine Spur. Im Mund macht sich das Bier richtig breit und wirkt so eher wie ein Lager als wie ein doch in der Regel eher schlankes Pils. Lässt man die Typenfrage außer Acht, dann findet man in diesem Bier immerhin eines, das im Geschmack die Zeit über sehr konstant bleibt. Auf Überraschungen oder eine starke Geschmackskurve wartet man also vergebens – positiv wie negativ.

Abgang
Hinten raus fangen mehr und mehr herbe Aromen an zu dominieren. Das reißt das Steuer insgesamt aber auch nicht mehr rum. Auch den insgesamt zahmen Abgang kann das nicht beeinflussen.

Kohlensäure
Eine Prise mehr Spritzigkeit wäre bei diesem Bier sicher nicht verkehrt und würde es näher an ein klassisches Pils bringen.

Süffigkeit
Etwas zu breit für exorbitante Süffigkeit, aber der Mangel an Kohlensäure gleicht das etwas aus.

Fazit
Wenn man nicht auf der Suche nach einem klassischen Pilsener ist, dann kann man es mit dem Småland durchaus probieren. Eingefleischte Pilsfans werden sich hiermit allerdings keinen Gefallen tun…

zur Brauerei
Die Åbro Byggeri wurde 1856 in Vimmerby, einem Ort in der historischen Provinz Småland, gegründet. Der Gründer, ein Militärbediensteter, verpflichtete einen deutschen Braumeister, der allerdings nur für ein Jahr blieb. Wieder fest in schwedischer Hand wurde über die Zeit das Sortiment des Familienunternehmens kontinuierlich ausgebaut und umfasst heute mehr als 20 verschiedene Biere. Außerdem ist die Brauerei Hauptsponsor des schwedischen Sportvereins AIK Solna, der, wie der Name vermuten lässt, in der Stadt Solna vor den Toren Stockholms beheimatet ist.