Ein IPA aus der Türkei sieht man hierzulande wahrlich nicht alle Tage, und schon gar nicht mit einem derart farbenfrohen Etikett: ein Papagei, ein Roadtrip-artiger Himmel, warme Orange- und Rottöne – das Ganze wirkt wie die Vorschau auf einen lauen Abend irgendwo zwischen Ägäis und anatolischen Bergen. Auf dem Papier bringt das Bier 5,8 % Alkohol und 47 IBU mit. Ein IPA mit Ecken, Kanten und ordentlich Selbstbewusstsein – ein guter Grund, genauer hinzuschmecken.

Farbe, Duft und Krone
Beim Öffnen zeigt sich zunächst ein eher zurückhaltender Duft, der erst mit Verzögerung fruchtige Süße andeutet. Im Glas wiederum überrascht das IPA mit einem sehr dunklen Bernstein, erstaunlich klar und ohne sichtbare Trübung. Der Schaum muss förmlich herausgefordert werden: Er bildet sich nur zögerlich, bleibt grobporig, hält sich aber länger, als man vermuten würde.
Einstieg
Der erste Kontakt mit dem Gaumen ist ein Frontalangriff. Bitterkeit steht sofort im Raum und beansprucht die gesamte Zunge – fast so, als wolle das Bier sicherstellen, dass man das „IPA“ im Namen nicht überliest. Fruchtigkeit spielt dagegen nur eine Statistenrolle. Bereits früh im Antrunk blitzt eine leichte Vanillenote auf, die dem Bier einen interessanten Dreh verleiht.
Körper und Geschmack
Der Körper fällt überraschend schlank aus. Statt in die Breite zu gehen – was viele fruchtigere IPAs tun – konzentriert sich diese Variante kompromisslos auf die bitteren Elemente. Das verleiht ihm Klarheit, nimmt ihm aber jede Schwere. Die Vanille bleibt als feiner Unterton erhalten, ohne je dominant zu werden.

Abgang
Im Abgang regieren erneut die herben Noten. Der Nachhall ist trocken und klar, fast schon schnörkellos, mit einer leisen süßlichen Kante, die den Übergang abrundet.
Kohlensäure
Die Kohlensäure zeigt sich präsenter im Mund als im Glas. Sie trägt den Geschmack gut, ohne zu beißen oder die Bitterkeit künstlich aufzublasen.
Süffigkeit
Für ein IPA mit 5,8 % wirkt dieses Bier erstaunlich leichtfüßig. Es trinkt sich unkompliziert – fast gefährlich unkompliziert. Die fehlende Schwere und der direkte, entschlossene Aromeneinstieg machen es zu einem Bier, das man problemlos auch an heißen Tagen genießen kann, sofern man Bitterkeit mag.
Fazit
Ein IPA, das keine Sekunde verliert: bitter, klar, direkt, aber im Detail mit interessanten Zwischentönen. Nicht das fruchtige Sommer-IPA von der Stange, sondern ein kantiger, herber Begleiter, der erstaunlich leicht läuft. Ein Bier mit Charakter – und mit ordentlich „Punch“.

zur Brauerei
Die Torch Brewery gehört zu den kreativeren Stimmen innerhalb der noch jungen türkischen Craft-Bier-Szene. Sie kombiniert internationale Bierstile mit lokalem Wagemut und bringt seit einigen Jahren Biere auf den Markt, die sich klar vom industriellen Standard absetzen. Das IPA zählt zu ihren bekanntesten Sorten und zeigt, dass abseits der großen Bierländer durchaus spannende Alternativen entstehen.