Schon die Dose schreit nach Aufmerksamkeit: Profesor Hopppss – ein Pale Ale aus Montenegro, gebraut von der Akademija Piva, der „Bierakademie“ in Podgorica. Die Brauerei nennt ihre Biere gern nach akademischen Titeln: Es gibt den Magister, den Doktor – und eben den Professor, der offenbar für die höchste Hopfenweisheit steht. Auf der Dose: ein exzentrischer Wissenschaftler, der mit der Lupe seine eigene Kreation inspiziert. Erwartet man bei so viel Farbe und Energie ein fruchtig-leichtes Bier, wird man überrascht, wie anders sich das im Glas entwickelt.

Farbe, Duft und Krone
Schon beim Öffnen strömen fruchtige Aromen aus der Dose. Leichte Zitrusnoten liegen in der Luft, ohne dass es gleich wie ein Fruchtsaft wirkt. Im Glas zeigt sich das Bier in kräftig orangegelber Farbe, naturtrüb und mit einem feinporigen, stabilen Schaum, der lange anhält. Optisch also ganz klar ein Hingucker – intensiv, satt, lebendig.
Einstieg
Der erste Schluck überrascht gewaltig. Was optisch und olfaktorisch nach einem frischen Pale Ale klingt, entpuppt sich als schweres, intensives Bier. Der Körper ist massiv, fast schon in Richtung Porter gehend. Die 5,6 % Alkohol machen sich deutlich bemerkbar und geben dem Bier eine Schwere, die man bei einem Pale Ale selten erlebt.
Körper und Geschmack
Das Profesor Hopppss baut auf einen kräftigen, malzbetonten Körper. Der Geschmack bleibt von Anfang bis Ende konstant – keine große Entwicklung, aber eine durchgehend dichte, volle Präsenz. Der Hopfen hält sich zurück und überlässt dem Malz die Bühne. Dadurch fehlen die typischen fruchtigen Spitzen und die erfrischende Leichtigkeit, die man bei einem Pale Ale erwarten würde.

Abgang
Auch im Abgang bleibt das Bier schwer und dunkel anmutend. Der Geschmack klingt langsam aus, bleibt aber dicht und wuchtig. Ein bisschen wie eine Vorlesung, die inhaltlich interessant ist, aber etwas zu lange dauert.
Kohlensäure
Die Kohlensäure ist gut eingebunden und sorgt für ein angenehmes, sanftes Mundgefühl. Sie trägt das Bier, ohne es zu beschweren – ein kleiner Lichtblick in der Textur.
Süffigkeit
Durch die Schwere des Körpers und die starke Malzlastigkeit ist das Bier kein typischer Durstlöscher. Man trinkt es langsamer, nachdenklicher, eher als Versuch, den Professor zu verstehen, als ihm einfach zuzuprosten.

Fazit
Ein Pale Ale, das sich nicht an die Konventionen hält. Schwer, dunkel, malzreich – und gerade dadurch ungewöhnlich. Die Erwartungen, die das bunte Etikett und der Name wecken, werden nicht erfüllt, aber das Bier zeigt, dass auch in Montenegro experimentiert wird. Ein interessanter Versuch, wenn auch kein leichtfüßiger.
zur Brauerei
Die Akademija Piva (Beer Academy) aus Podgorica ist Montenegros erste unabhängige Craft-Brauerei. Gegründet wurde sie mit dem Ziel, die lokale Bierkultur auf ein neues Niveau zu heben. Die Brauerei produziert eine kleine, aber vielseitige Palette an Bieren – jedes mit einem akademischen Titel. Damit spielt man charmant mit dem Gedanken, dass Bierbrauen und Biertrinken eine Wissenschaft für sich sind. Besonders bekannt ist die Serie „Profesor“, „Magister“ und „Doktor“, die jeweils für unterschiedliche Stile und Charaktere stehen – vom klassischen Lager bis zum kräftigen Pale Ale.