Einmal mehr fliegt Beavertown mit uns ins All. Auf der Dose des Gamma Ray tobt eine wilde Alien-Schlacht, UFOs zischen durchs Bild, Skelette feuern mit Strahlenkanonen – man möchte fast den Alufolienhut aufsetzen. Doch hinter all der Pop-Art steht ein Bier, das als „explosively hoppy American Pale Ale“ angekündigt wird. Mit 5,4 % Vol. Alkohol soll es den Geist Kaliforniens in die Londoner Dose bannen.
Ob Gamma Ray wirklich ein kosmisches Geschmackserlebnis ist – oder eher eine strahlende Überdosis – zeigt sich nach dem ersten Schluck.

Duft, Farbe und Krone
Aus der Dose entweicht nur ein zarter Duft, leicht fruchtig, fast schüchtern. Im Glas zeigt sich ein trübes, goldgelbes Bier mit einem Schaum, der so kurzlebig ist wie ein Meteoritenschweif. Auch der Geruch bleibt zurückhaltend – kein tropischer Knall, eher ein sanftes Vorbeben.
Einstieg
Der erste Schluck überrascht mit Wucht. Statt fruchtiger Hopfenexplosion empfängt einen eine intensive, fast hölzerne Bittere. Der Körper wirkt geschmeidig, cremig und weich, doch geschmacklich dominiert ein kantiges, raues Aroma, das weit über eine gewöhnliche Hopfenbittere hinausgeht.
Körper und Geschmack
Das Gamma Ray ist paradox: ein weicher Körper, der einen harten Auftritt hinlegt. Die Bittere ist so durchdringend, dass sie jede Fruchtnote im Keim erstickt. Nur ganz am Rand blitzen Nuancen von Zitrus und Harz auf, bevor der bittere Strahl wieder alles einnimmt. Ein Bier, das Aufmerksamkeit verlangt – oder Distanz.

Abgang
Lang, hartnäckig, kompromisslos. Die Bittere klebt im Mundraum fest und lässt erst nach, wenn das Bier längst Geschichte ist. Wer auf extreme Hopfenbetonung steht, wird hier fündig – wer Balance sucht, wohl weniger.
Kohlensäure
Fein und angenehm integriert. Die Textur ist weich, das Mundgefühl angenehm – fast ein Widerspruch zur geschmacklichen Härte.
Süffigkeit
Begrenzt. Die kräftige Bittere macht das Gamma Ray zu einem Bier für geübte Hopfenfreunde, nicht für den Feierabend-Durst. Ein einmaliges Erlebnis, das man eher erinnert, als wiederholt.

Fazit
Ein Bier wie ein Laserstrahl: hell, zielstrebig, gnadenlos. Gamma Ray ist kein harmonisches Pale Ale, sondern ein Angriff. Wer extreme Bittere sucht, bekommt sie hier in Reinkultur. Für alle anderen gilt: lieber Deckung suchen.
zur Brauerei
Die Beavertown Brewery wurde 2011 in London von Logan Plant, dem Sohn von Led-Zeppelin-Sänger Robert Plant, gegründet. Was als kleine Pub-Brauerei begann, wurde schnell zu einer der bekanntesten Craftbeer-Marken Großbritanniens. 2022 übernahm Heineken UK das Unternehmen vollständig, doch der kreative Wahnsinn blieb: knallige Comic-Dosen, hopfenbetonte Biere und ein unverwechselbarer Stil.
Das Gamma Ray war eines der ersten Biere der Brauerei und gilt als ihr Flaggschiff – ein American Pale Ale, das mit massiver Hopfenbittere und kräftigem Körper für Furore sorgte. Oder, wie Beavertown selbst sagt: “A beer that’s a full on fruit and hop assault.”